Was muss ich über den Gesellschaftsvertrag wissen?

Wenn du deine Firma gemeinsam mit einem Partner gründest, solltest du von Anfang an festlegen, wer von euch welche Rechte und Pflichten übernimmt. Ihr müsst vereinbaren, wer welche Einlagen in das Unternehmen einbringt, welche Aufgaben die Firma hat und wie hoch das Stammkapital ist. Ein Muster für den Vertrag findest du im Internet. In schwierigen Fällen schaltest du einen Notar ein. Er erstellt einen Entwurf und übernimmt die Protokollierung.

Warum ein Gesellschaftsvertrag zu empfehlen ist

Unabhängig von der Art der Gesellschaft ist es fast immer ratsam, einen Gesellschaftsvertrag abzuschließen. Gründest du mit einem Partner, werden in dem Vertragswerk – auch als Satzung bezeichnet – zum Beispiel eure Rechte und Pflichten festgeschrieben. Auch der Name und der Sitz der Gesellschaft sowie die Namen der Gesellschafter und die Höhe ihrer Einlagen ist dokumentiert. So lange die Führung der Gesellschaft einvernehmlich läuft, mag ein Gesellschaftsvertrag nicht notwendig sein. Doch vor allem in Krisenzeiten und bei Streitigkeiten ist es von Vorteil, wenn wichtige Rahmenbedingungen von Anfang an zweifelsfrei juristisch festgehalten sind.

Spätestens wenn eine Firma die erste Krise zu meistern hat, scheitern nämlich viele Gründer.

Wer dann weiß, welche Rechte und Pflichten er dem Partner und der Gesellschaft gegenüber eingegangen ist und mit welchen Konsequenzen er beim Scheitern rechnen muss, geht sorgfältiger mit der Verantwortung um, die eine Firmengründung mit sich bringt. Im Interesse der anderen Gesellschafter und zu deinem eigenen Wohl solltest du also immer einen Gesellschaftsvertrag abschließen. Das gilt unabhängig davon, ob er nach dem geltenden Gesellschaftsrecht vorgeschrieben ist, wie es zum Beispiel im GmbH-Gesetz der Fall ist, oder nicht, wie bei einer Gesellschaft des bürgerlichen Rechts.

Bei diesen Gründungen ist ein Vertrag Pflicht

Sofern du für deine Firma eine Kapitalgesellschaft als Rechtsform wählst, musst du zwingend einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag abschließen. Diese Vorschrift ist im geltenden GmbH-Recht dokumentiert. Sie gilt unabhängig davon, ob du alleine eine Gesellschaft eröffnest oder ob du mit einem oder mehreren Gesellschaftern gründest. Die häufigsten Kapitalgesellschaften für junge Existenzgründer sind die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt, kurz als UG bezeichnet.

Unterschied zwischen GmbH und UG

Die Unternehmergesellschaft ist im Prinzip eine Mini-GmbH. Der größte Unterschied zwischen beiden Gesellschaften besteht in der Höhe des Stammkapitals. Während das GmbH-Stammkapital mindestens 25.000 Euro betragen muss, liegt das Gründungskapital einer UG bei einem Euro. Sowohl die GmbH als auch die UG dürfen als Ein-Mann-Gesellschaft geführt werden. Das heißt, dass du keinen Partner für die Firmengründung benötigst. Damit dein Unternehmen aus einem oder mehreren Gesellschaftern rechtskräftig besteht, ist der Gesellschaftsvertrag mit den Pflichtangaben zu erstellen und notariell zu beurkunden. Das heißt, die Gesellschafter müssen ihre Unterschrift vor einem Notar leisten. Er stellt die Personalien fest, verliest den Gesellschaftsvertrag und holt die Unterschriften ein. Damit ist die Gründung beurkundet. Das neue Unternehmen ist danach nur noch in das Handelsregister einzutragen.

Was der Vertrag mit dem Handelsregister zu tun hat

Für die Gründung einer Personengesellschaft ist er nicht erforderlich, doch wenn du eine Kapitalgesellschaft eröffnest, ist er zwingend vorgeschrieben: der Eintrag im Handelsregister.

Du veranlasst die Eintragung bei deinem örtlichen Amtsgericht, die Behörde führt das öffentlich zugängliche Handelsregister. Bei deiner Firmengründung vergibst du deiner Gesellschaft mit beschränkter Haftung oder deiner Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt einen eindeutigen Namen. Dieser Name ist auch im Gesellschaftsvertrag GmbH aufgeführt. Für die Eintragung im Register benötigst du den Namen deiner Firma und den unterschriebenen Gesellschaftsvertrag.

Du beantragst die Eintragung entweder online oder persönlich bei der Behörde.

Beachte, dass deine Firmengründung erst mit dem Registereintrag abgeschlossen und rechtswirksam ist. Das heißt, erst ab diesem Zeitpunkt darfst du für deine Firma Rechtsgeschäfte eingehen, Verträge abschließen und Aufträge von Kunden einholen. Wenn im späteren Geschäftsbetrieb wichtige Änderungen anfallen, zum Beispiel die Aufnahme eines neuen Gesellschafters, musst du sie ebenfalls im Vertrag aufnehmen und im Register eintragen. Achte deshalb in deinem eigenen Interesse darauf, solche Änderungen in einem überschaubaren Rahmen zu halten.

Wann ein Muster aus dem Internet genügt

Bevor du den Weg zum Notar antrittst, besorgst du dir einen Mustervertrag als Vorlage für deine Gesellschaft. Einen Mustervertrag für eine UG-Gründung oder eine GmbH-Gründung findest du leicht im Internet. Dort stehen einfache Musterprotokolle mit dem wichtigsten Inhalt als Download zur Verfügung.

Eine standardisierte Vorlage aus dem Internet bietet sich an, wenn maximal zwei weitere Gesellschafter an der Gründung beteiligt sind. Bei einer größeren Zahl von Gesellschaftern werden die vertraglichen Beziehungen recht komplex. Ein Mustervertrag aus dem Internet reicht in diesem Fall nicht mehr aus. Der Gesellschaftsvertrag sollte dann von einem Notar erstellt werden.

Achte beim Download aus dem Internet auch darauf, dass du das passende Formular für deine Unternehmensform wählst und dass es sich um ein aktuelles Dokument handelt. Dann darfst du recht sicher sein, dass alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen in deinem Musterprotokoll erfasst sind.

Wieso du den Mustervertrag für die Bank brauchst

Sobald du die ersten Aufträge annimmst, sollte bald Geld von deinen Kunden fließen. Spätestens dann benötigst du ein Bankkonto. Das Konto ist auch wichtig, wenn du die ersten Zahlungen für die Steuer veranlasst oder wenn einzelne Mitglieder aus der Gesellschafterversammlung Ein- und Auszahlungen auf das Firmenkonto vornehmen. Deshalb solltest du das Bankkonto gleich im Zuge der Firmengründung eröffnen. Sofern du dich für eine Kapitalgesellschaft entscheidest, verlangt die Bank in der Regel eine Kopie des Gründungsvertrags. Sie entnimmt daraus, wie die Firma heißt, wo sie ihren Sitz hat, welcher Geschäftsinhalt vereinbart wurde und wer die Gesellschafter sind. Mindestens ein erstes Muster des Entwurfs solltest du zur Kontoeröffnung mitnehmen, damit die Bank alle nötigen Angaben entnehmen kann.

Was der Vertrag regeln sollte

Nach dem GmbH-Recht enthält der Gesellschaftsvertrag – auch als GmbH-Satzung bezeichnet – einige Pflichtangaben. Abgesehen davon gibt es eine Fülle von weiteren Vereinbarungen, die die Gesellschafter dokumentieren sollten. Im Fall von späteren Auseinandersetzungen ist dann zweifelsfrei festgehalten, wer welche Rechte und Pflichten mit der Unternehmensgründung übernommen hat.

Diese Inhalte gehören zu den Pflichtangaben

Im GmbH-Recht ist dokumentiert, dass

  • der Name und der Sitz der Gesellschaft,
  • der Zweck,
  • das Stammkapital
  • sowie die Zahl der Geschäftsanteile

im Gesellschaftsvertrag enthalten sein müssen. Das gilt unabhängig davon, ob eine GmbH-Gründung oder eine UG-Gründung geplant ist. Sofern du keine weiteren Angaben in deinem Gesellschaftsvertrag erfassen willst, kannst du eine Vorlage aus dem Internet als Musterprotokoll verwenden. Im laufenden Geschäft wird es aber weitere Fragestellungen geben, die du schriftlich fixieren solltest. Deshalb enthält dein Gesellschaftsvertrag idealerweise neben den verpflichtenden Angaben eine Reihe von weiteren wichtigen Regelungen.

Freiwillige Regelungen erleichtern die Geschäftsführung

Zu den wichtigsten Vereinbarungen in einem UG- oder GmbH-Vertrag gehören zu Beispiel die Namen der Gesellschafter und des Geschäftsführers. Der Geschäftsführer ist zu benennen, damit zweifelsfrei bestimmt ist, wer die Verantwortung für das Unternehmen nach außen trägt. Sofern einer der Gesellschafter gleichzeitig Geschäftsführer ist, bezeichnet man ihn als geschäftsführenden Gesellschafter. Der Geschäftsführer sollte im GmbH-Gesellschaftsvertrag genannt sein.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch eine Regelung zur gemeinsamen Geschäftsführung der Gesellschafter. Es kann zum Beispiel vereinbart werden, dass Verträge nur gültig sind, wenn beide Gesellschafter gemeinsam unterschreiben. Ebenso ist es zulässig, dass beide Gesellschafter die alleinige Zeichnungsvollmacht besitzen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Gesellschaftsvertrags sind die Vorgaben zu den Organen des Unternehmens. Alle Gesellschafter zusammen bilden die Gesellschafterversammlung. Sie ist das Kontroll- und Aufsichtsorgan für den Geschäftsführer, wird aber im täglichen Betrieb eher weniger in Erscheinung treten. Auch Regelungen

  • zur Beschlussfähigkeit und zur Entscheidungsfindung durch einfache Mehrheit,
  • zum Verkauf von Geschäftsanteilen,
  • zum Ausscheiden eines Gesellschafters oder
  • zur Auflösung der Firma

dürfen in einem Gesellschaftsvertrag festgeschrieben sein.

Wie du im laufenden Betrieb mit dem Vertrag arbeitest

Im täglichen Geschäft kommst du mit dem Gesellschaftsvertrag eher selten in Verbindung. Das gilt unabhängig davon, ob du eine Vorlage als Muster aus dem Internet verwendet hast oder ob eine individuelle notarielle Beurkundung erforderlich war. Dennoch ist der Gesellschaftsvertrag so etwas wie der ständige Begleiter des GmbH-Geschäftsführers.

Er ist zwar im Außenverhältnis für die Geschäftsführung verantwortlich, doch im Innenverhältnis hat er der Gesellschafterversammlung Rede und Antwort zu stehen. Das heißt, er wird durch die Gesellschafter kontrolliert.

In der Gesellschafterversammlung wird zum Beispiel entschieden, wofür der erwirtschaftete Gewinn verwendet wird. Zwar gibt es für eine Unternehmergesellschaft bestimmte gesetzliche Vorgaben für die Verwendung des Gewinns, aber davon abgesehen entscheiden die Gesellschafter recht frei, ob die Gewinne ausgeschüttet oder einbehalten werden.

Der Geschäftsführer und jeder einzelne Gesellschafter muss wissen, welche Rechte und Pflichten sich für ihn aus dem Vertragswerk ergeben, um diese im betrieblichen Alltag zu berücksichtigen. Geschieht dies nicht, machen sie sich einer Pflichtverletzung schuldig, die im besten Fall zu Streitigkeiten mit den anderen Anteilseignern führt, die schlimmstenfalls aber auch juristische Folgen hat.

Was bei einer Auflösung mit dem Entwurf geschieht

Als Firmengründer hast du die Möglichkeit, den Zweck deines Unternehmens für einen gewissen Zeitraum zu befristen. Alternativ dazu führst du die Firma für einen unbegrenzten Zeitraum. Eine Regelung dazu darfst du im Gründungsvertrag aufführen. In diesem Fall wissen die einzelnen Gesellschafter und deine Bank schon zum Gründungszeitpunkt, dass es sich um ein befristetes oder unbefristetes Vorhaben handelt. Dadurch schaffst du frühzeitig Klarheit bei allen Beteiligten.

Im Firmenvertrag führst du auch auf, was bei einem Ausstieg von einzelnen Gesellschaftern mit dem Unternehmen geschieht. Der Ausstieg eines Miteigentümers führt nicht zwangsläufig zur Auflösung der Firma, wenn ein neuer Anteilseigner einsteigt. Damit regelt der Gründungsvertrag alle wesentlichen Phasen, die deine Firma vom ersten Tag an bis zur Auflösung durchläuft.

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