Wie erhalte ich als Selbstständiger passende Förderungen?

Aller Anfang ist schwer – und ohne Moos ist bekanntlich nicht viel los. Gerade kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups in freien Berufen wissen ein Lied davon zu singen. Daraus ergeben sich die Fragen: Welche Fördermittel gibt es für Selbstständige und wie sieht es mit den Voraussetzungen im Einzelnen aus? Hier erfährst du mehr über die Chancen auf Förderung deiner Selbstständigkeit und findest heraus, ob sie für dich infrage kommen.

Übersicht: die 5 wichtigsten Arten von Fördermitteln

Das Angebot ist groß. Insgesamt gibt es für Existenzgründer mehr als 2000 verschiedene Förderprogramme, die von der Europäischen Union, dem Bund und den Ländern zur Verfügung gestellt werden. Sie reichen von Zuschüssen, die nicht zurückgezahlt werden müssen, über zinsgünstige Kredite und Bürgschaften bis zu kostenlosen oder stark vergünstigten Beratungsleistungen, die jungen Unternehmern eine wertvolle Förderung bei ihrem Start in die Selbstständigkeit bieten. Grob lassen sich fünf einzelne Förderungen unterscheiden, angefangen von den beiden günstigsten Unterstützungsleistungen für Arbeitslose, die nicht zurückgezahlt werden müssen, über Darlehen von Banken und Investoren bis zur Kostenübernahme für Beratungsleistungen von Profis:

  1. Gründungszuschuss – für Bezieher von Arbeitslosengeld-I
  2. Einstiegsgeld – für Bezieher von Arbeitslosengeld-II
  3. zinsgünstige Darlehen für Existenzgründer, beispielsweise von der KfW
  4. Business-Angels – vermögende Privatpersonen oder Firmen beteiligen sich an deinem Unternehmen
  5. Beratungsförderung – der Staat übernimmt einen großen Anteil des Beraterhonorars

So startest du mit dem Gründungszuschuss in die Selbstständigkeit

Monat für Monat einen beträchtlichen Zuschuss für die Existenzgründung: Diese Förderung ist vor allem für Gründer wichtig die mit einem eigenen Unternehmen ihre Arbeitslosigkeit beenden möchten ohne nach dem Bezug der Leistungen auf einem Schuldenberg zu sitzen. Aber welche Voraussetzungen gelten für den Gründungszuschuss? Diese drei sind die wichtigsten:

  1. Der Antragsteller wird mit seinem Projekt hauptberuflich selbstständig und beendet dadurch seine Arbeitslosigkeit.
  2. Eine fachkundige Stelle bestätigt die Tragfähigkeit der Existenzgründung.
  3. Es besteht noch ein Restanspruch von 150 Tagen Arbeitslosengeld-I.

Du siehst: Wer sich mit dieser Leistung vom Arbeitsamt eine Förderung der Existenzgründung sichern will darf keine Zeit verlieren. Denn dieses Fördermittel wird nur gewährt, wenn der Antragsteller noch fast ein halbes Jahr Anspruch auf Arbeitslosengeld-I hat. Die Dauer des vorausgegangenen Leistungsbezugs spielt dagegen keine Rolle. Theoretisch reicht ein Tag Arbeitslosigkeit, um mit staatlicher Unterstützung in die Selbstständigkeit zu starten. Wenn du also absehen kannst, dass du demnächst arbeitslos wirst, mach dir am besten schon vorher Gedanken, ob eine Existenzgründung für dich infrage kommt. Weil du ohnehin verpflichtet bist, eine drohende Arbeitslosigkeit rechtzeitig beim Arbeitsamt anzumelden, kannst du deinen Fall-Manager schon bei dieser Meldung über deine Absicht informieren. Er wird dir weitere Hinweise geben.

Wie viel Geld bekommst du?

Der Gründungszuschuss wird in zwei Phasen ausgezahlt:

  • Für die ersten sechs Monate der Selbstständigkeit erhältst du als Existenzgründer Geld in Höhe des bisher bezogenen Arbeitslosengeldes – dazu kommt eine monatliche Pauschale von 300 Euro.
  • Im Anschluss daran wird nur noch die monatliche Pauschale weiter gezahlt – 9 Monate lang. Diese Förderung ist erneut zu beantragen.

Was musst du nachweisen?

Der wichtigste Punkt bei der Antragstellung ist das Arbeitsamt von der Tragfähigkeit der Existenzgründung zu überzeugen. Aus dem Antrag muss klar hervorgehen, dass die grundlegenden Bedingungen für die Überwindung der Arbeitslosigkeit durch die Gründung eines Unternehmens gegeben sind.

Weitere Voraussetzung für den Gründungszuschuss ist, dass eine fachkundige Stelle die Existenzgründung für tragfähig hält. Das heißt: Eine gute Geschäftsidee allein reicht nicht aus. Aus deinem Businessplan muss zweifelsfrei hervorgehen, dass deine Existenzgründung auf einer soliden Grundlage aufgebaut ist. Beim Antrag auf die zweite Phase dieses Fördermittels (300 Euro monatlich) musst du darlegen, dass du bereits auf dem Markt tätig bist.

Der Gründungszuschuss hilft Start-ups dabei, die ersten Monate nach der Gründung mit einer sicheren finanziellen Unterstützung zu überstehen. Schließlich ist gerade die Anfangszeit für junge Unternehmen meist sehr schwierig. Wichtig zu wissen ist, dass du als Gründer keinen gesetzlichen Anspruch auf diese finanzielle Förderung hast. Wenn du deinem Berater beim Arbeitsamt jedoch ein Konzept mit Hand und Fuß vorweisen kannst, wird es ihm schwerfallen, deinen Antrag abzulehnen.

Raus aus Hartz-IV – mit dem Einstiegsgeld

Auch für Bezieher von Arbeitslosengeld-II (Hartz-IV) gibt es staatliche Mittel für Existenzgründer: das Einstiegsgeld. Diese finanzielle Förderung der Selbstständigkeit wird als Zuschuss auf Hartz-IV gezahlt. Das Gesetz sieht dieses Förderprogramm ausdrücklich als Ermessensleistung vor (§ 16b SGB II). Das heißt: Es besteht für den Gründer kein Rechtsanspruch auf diese Leistung. Auch die Höhe der Unterstützung liegt im Ermessen des Jobcenters. Es darf jedoch nicht mehr als 50 Prozent des bisher bezogenen Arbeitslosengeldes-II betragen. Berücksichtigt bei dieser Rechnung wird nur der Regelbedarf.

Weil die Jobcenter daran interessiert sind, den Beziehern von Hartz-IV den Ausstieg aus der Hilfsbedürftigkeit zu erleichtern, bieten sie auch die kostenlose Teilnahme an Vorbereitungsseminaren an. Diese Kurse dienen meist dazu, herauszufinden, ob eine Gründung überhaupt Chancen hat.

Wie hoch ist das Einstiegsgeld?

Bei der Bemessung der Höhe des Einstiegsgeldes werden folgende Faktoren berücksichtigt:

  • die Dauer der vorherigen Arbeitslosigkeit
  • die Größe der Bedarfsgemeinschaft
  • besondere persönliche Umstände

Diesen Zuschuss gibt es natürlich nur dann, wenn grundsätzlich ein Anspruch auf Arbeitslosengeld-II besteht. Die Förderungshöchstdauer beträgt 24 Monate. Die Förderung entfällt nicht automatisch, wenn die Hilfsbedürftigkeit durch die selbstständige Tätigkeit wegfällt. Wird diese Tätigkeit jedoch beendet, ist dieser Umstand unbedingt beim Jobcenter anzuzeigen.

Tipp: Für die Beschaffung von Sachgütern für das eigene Unternehmen gibt es die Möglichkeit vom Jobcenter Zuschüsse oder Darlehen bis zu 5.000 Euro zu erhalten. Dies ergibt sich aus § 16c SGB-II. Auch hierfür muss die Tragfähigkeit der Existenzgründung nachgewiesen werden. In der Praxis verlangen die Jobcenter auch hierfür die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle.

Wer den Zuschuss beantragen möchte muss seinen Fall-Manager also von der Tragfähigkeit seiner Existenzgründung überzeugen. Auch hierfür eignet sich ein Businessplan, der beim Einstiegsgeld direkt dem Fall-Manager vorgelegt werden muss. Hat dieser keine ausreichenden Kenntnisse – zum Beispiel über die Branche in der sich der Antragsteller selbstständig machen möchte – kann er die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle verlangen.

So profitierst du von günstigen Beratungen

Förderung der Selbstständigkeit – das heißt nicht nur Finanzierung, sondern auch Unterstützung durch professionelle Beratung. Das Programm „Förderung unternehmerischen Know-hows durch Unternehmensberatungen” wird aus Mitteln der Europäischen Union und des Bundeshaushalts gefördert. Hier kommt der Staat für bis zu 80 Prozent der Beratungshonorare auf. Diese Vergünstigung steht Gewerbetreibenden und Angehörigen der freien Berufe zur Verfügung.

Der Wert von Beratungs- und Bildungsgutscheinen wird oft unterschätzt. Erfolgreiche Start-ups sind oft erst durch professionelle Beratung auf die vielen Möglichkeiten staatlicher Fördermittel und finanzieller Hilfen durch Banken und Investoren aufmerksam geworden. Dazu kommt die wertvolle Vermittlung unternehmerischen Know-hows, das so wichtig für den Start in das selbstbestimmte Leben als Unternehmer ist.

Kostenlose Gründerberatung: AVGS

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein der Agentur für Arbeit (AVGS) garantiert eine kostenlose Beratung für Arbeitslose durch zertifizierte Coaches und Bildungsträger. Der AVGS ist sowohl für Bezieher von Arbeitslosengeld-I wie für Bezieher von Arbeitslosengeld-II verfügbar. Diese Leistung soll Arbeitslosen Wissen und Fähigkeiten vermitteln, die für die Selbstständigkeit wichtig sind – zum Beispiel kaufmännische, Marketing- oder Personalwesen-Grundkenntnisse. Du kannst deinen zuständigen Sachbearbeiter beim Arbeitsamt oder Jobcenter auf die Voraussetzungen und mögliche Ausgestaltungen des AVGS ansprechen. Einen Rechtsanspruch auf die Erteilung dieses Vermittlungsgutscheins gibt es leider nicht.

Hilfen der Bundesländer

Neben bundesweiten finanziellen Hilfen stellen die Bundesländer Fördermittel zur Verfügung. Die Voraussetzungen hierfür sind von Land zu Land verschieden. Es gibt verschiedene Arten von Fördermitteln mit unterschiedlichen Bezeichnungen. Einige Beispiele:

  • Beratungsgutscheine für Existenzgründer-Coachings und Potenzial-Beratungen
  • Innovationsgutscheine für finanzintensive Projekte
  • Meistergründungsprämien für Handwerker, die sich selbstständig machen
  • Mikrokredite, Gründungsdarlehen und Wachstumsdarlehen
  • Bürgschaften für Kredite zur Existenzgründung
  • Bildungsgutscheine für die berufliche Weiterbildung in kleinen und mittleren Unternehmen

Informiere dich am besten bei der für dich zuständigen IHK oder Handwerkskammer, welche Programme für dich infrage kommen.

Die EU unterstützt Kredite für Start-ups

Banken bieten Gründern günstige Kredite an, die von der Europäischen Union mit Garantien gegenüber den Banken gefördert werden. Aufgrund dieser europäischen Unterstützung sind Banken bereit günstigere Zinsen für Darlehen für die Finanzierung von Existenzgründern anzubieten. Diese Angebote gelten auch für Existenzgründer, die über kein Eigenkapital verfügen.

Bei den Unterstützungsleistungen der EU musst du dich immer an deinen örtlichen Finanzdienstleister wenden – zum Beispiel an deine Bank oder einen Risikokapitalgeber. Dein Partner kann dann durch EU-Mittel zusätzliches Kapital an dich vergeben. Die Mittel aus den EU-Fonds geben in diesem Fall deinem Unterstützer zusätzliche Sicherheiten. Die Programme der EU sind sehr vielfältig. Sie gelten unter anderem auch dann, wenn du dich in einem anderen EU-Land selbstständig machen willst. Gerade bei der Suche nach passenden EU-Förderprogrammen zahlt sich die Beratung durch Profis aus.

Bei den vielen Förderprogrammen und finanziellen Mitteln, die von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt werden, fällt es manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die mit ihren Projekten Neuland betreten werden großzügig gefördert. Der Vorteil dieser europäischen Fördermittel:

  • Anders als bei privaten Investoren musst du keine Unternehmensanteile abgeben.
  • Du kannst weiterhin selbstständig und unabhängig Entscheidungen treffen.
  • Die europäischen Förderprogramme verlangen vergleichsweise wenig Sicherheiten.

Netzwerke für Gründerinnen und Gründer verschaffen dir wertvolle Kontakte und helfen dir auch dabei, die richtigen Fördermittel zu finden.

Business-Angels

Eine weitere Möglichkeit der Förderung sind Business-Angels. Sie beteiligen sich finanziell an jungen Unternehmen, wenn sie von dem Erfolg des Projekts überzeugt sind. Durch die Beteiligung erhalten sie natürlich die Aussicht, selbst Geld zu verdienen. Business-Angels stellen in der Regel nicht nur finanzielle Hilfen zur Verfügung, sondern sind auch an der Vermittlung unternehmerischen Know-hows interessiert. Auch für die Kontaktaufnahme zu Business-Angels erweisen sich Gründer-Netzwerke als hilfreich. Es gibt viele finanzstarke Firmen, die immer auf der Suche nach innovativen Start-ups sind. Sie lernen ihre zukünftigen Partner meist über das Internet kennen.

Der Nachteil einer Unterstützung durch Business-Angels liegt auf der Hand: Es ist möglich, dass du einen Teil deiner Unabhängigkeit verlierst. Gehe deshalb keine Kooperation mit Unterstützern ein, denen du nicht hundertprozentig vertraust.

Keine erfolgreiche Gründung ohne Businessplan

Ganz gleich,+ ob du staatliche Fördermittel oder finanzielle Unterstützung durch günstige Kredite beantragst: Fast immer verlangen die Entscheider die Vorlage eines Businessplans. Er präsentiert deine Persönlichkeit und deine Geschäftsidee. Er zeigt auf, dass dein Projekt Hand und Fuß hat und dass deine Finanzierungsstrategie durchdacht ist. Kurz: Er überzeugt den Entscheider, dass er sein Geld in ein solides Unternehmen investiert. Gleichzeitig wirst du bei der Arbeit an dem Plan das erste Mal damit konfrontiert mit welchen Problemen deine Gründung eventuell verbunden ist – und wie du Lösungen für diese Probleme findest.

Im Wesentlichen sollte dein Businessplan dem Leser Antworten auf folgende Fragen geben:

  • Ist deine Geschäftsidee konkurrenzfähig?
  • Verfügst du über die notwendigen fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten?
  • Erfüllst du eventuell spezifische Zulassungsvoraussetzungen?
  • Hast du das kaufmännische und unternehmerische Know-how für den Markt?
  • Wie sieht dein Kapitalbedarf aus? Wofür benötigst du dieses Geld konkret?
  • Wie sehen die Ertrags- und Gewinnerwartungen für die ersten drei Jahre deiner Selbstständigkeit aus?

Fazit

Manchmal fällt es nicht leicht, bei den zahlreichen Fördermitteln für Existenzgründer den Überblick zu behalten. Doch diese Förderprogramme bieten dir viele Vorteile. Deshalb solltest du dich vorher eingehend informieren. Zum unternehmerischen Erfolg gehört nicht nur eine gute Geschäftsidee, sondern vor allem eine durchdachte Finanzierung von Anfang an. Es ist daher für Gründerinnen und Gründer wichtig, dass sie sich vorher über bestehende Möglichkeiten der Förderung für Selbstständige informieren. Für fast alle Fördermittel gilt: Wenn du einen sorgfältig erstellten Businessplan vorlegst, bist du immer klar im Vorteil.

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