Was sollte ich über das Gewerbeamt wissen?

In Deutschland besteht grundsätzlich die Gewerbefreiheit. Das heißt, dass jeder Bürger ein Gewerbe ausüben darf. Nur in Ausnahmefällen wird die Eignung des Gründers geprüft. Für alle gewerblichen Tätigkeiten gilt: Sie müssen auf jeden Fall angezeigt werden – und das beim Gewerbeamt. Als Gründer eines Gewerbebetriebes wirst du also den ersten behördlichen Kontakt mit dem Gewerbeamt haben. In der Regel ist die Erteilung des Gewerbescheins unkompliziert. Im Folgenden erhältst du detailliertere Informationen zum Thema Gewerbeamt.

Gewerbeanmeldung: ja oder nein?

Nach § 14 der Gewerbeordnung (GewO) muss der selbstständige Betrieb eines Gewerbes angezeigt werden. Das heißt, du musst dich vor Aufnahme deines Geschäfts bei der zuständigen Behörde in deiner Stadt anmelden. Bevor du zu diesem Amt gehst, beachte jedoch zwei Punkte:

  • Prüfe zuerst, ob dein Unternehmen überhaupt als gewerblich einzustufen ist.
  • Ist dies nicht der Fall, musst du dich lediglich beim Finanzamt anmelden. Dann wirst du auch in Zukunft nichts mit dem Gewerbeamt zu tun haben.

Wer ist überhaupt Gewerbetreibender – und wer nicht?

Eine gesetzliche Definition des Gewerbebegriffs findet sich in § 15 Abs. 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Eine gewerbliche Tätigkeit wird durch drei Eigenschaften bestimmt: Sie wird selbstständig ausgeübt, ist auf Gewinnerzielung ausgelegt und wird nachhaltig betrieben. Einer gewerblichen Tätigkeit gehen zum Beispiel folgende Berufsgruppen nach:

  • Gastronomen
  • Handwerker
  • Händler
  • Hersteller und Produzenten

Wer dagegen einen freien Beruf ausübt oder als Land- oder Forstwirt tätig ist, betreibt kein Gewerbe. Er muss seine Tätigkeit deshalb nicht beim Gewerbeamt melden, jedoch dem Finanzamt eine Auskunft erteilen.

Wer ist dein Ansprechpartner für die Gewerbeanmeldung?

Zuständig für deinen Betrieb ist das Gewerbeamt deiner Gemeinde oder Stadt. Es befindet sich oft im Rathaus oder bei der Gemeindeverwaltung. In vielen Gemeinden und Städten gibt es eine sogenannte Gewerbeabteilung als Teil des Ordnungsamts. Die Zuständigkeiten sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt. In manchen Ländern (zum Beispiel in Hamburg und Bayern) ist die Gewerbeanmeldung bei den Industrie- und Handelskammern möglich. Sie leiten deinen Antrag an die Gewerbekammer weiter.

In vielen Fällen ist die Gewerbeanmeldung auch online möglich – ein Vorteil, wenn du es während der Öffnungszeiten nicht ins Rathaus schaffst. Zwar wird dieser Bürgerservice nicht von jedem Gewerbeamt angeboten, aber so bist du bei Anmeldung und Ummeldung unabhängig von Terminen und Öffnungszeiten. Ansonsten ist es praktisch, wenn du dir für die Gewerbeanmeldung einen Termin bei dem für dich zuständigen Ansprechpartner im Gewerbeamt sicherst. Welche Unterlagen für die Anmeldung nötig sind, erfährst du beim Bürgerservice deiner Gemeinde. Viele Informationen und Formulare zum Download hält das Gewerbeamt auch online bereit.

Kosten der Anmeldung und wie es danach weiter geht

Wie für die meisten Leistungen der öffentlichen Verwaltung werden sowohl für Gewerbeanmeldungen und Ummeldungen Gebühren verlangt. Diese betragen in der Regel zwischen 10 und 60 Euro. Bei einer erfolgreichen Anmeldung erhältst du deinen Gewerbeschein – die Bestätigung der Gewerbeanmeldung. Damit bist du im Gewerberegister deiner Stadt oder Gemeinde eingetragen und kannst dein Gewerbe aufnehmen. Das Gewerbeamt übermittelt die Informationen an weitere zuständige Behörden, wie zum Beispiel das Finanzamt oder Berufsgenossenschaften. Ist dein Betrieb in Form einer GmbH oder einer anderen Gesellschaft organisiert, wird auch das Amtsgericht informiert.

Abmeldung und Ummeldung – wann und wie?

Generell gilt: Die Aufgabe eines Betriebes ist ebenfalls meldepflichtig. Und auch Gewerbetreibende, die mit ihrem Betrieb umziehen, müssen unbedingt ein Formular für die Ummeldung ausfüllen und beim Ordnungsamt abgeben. Bei einem Umzug in eine andere Gemeinde muss das Gewerbe bei der bisher zuständigen Behörde abgemeldet und beim neu zuständigen Amt angemeldet werden. Wenn sich dahingegen die Rechtsform deines Betriebes ändert (zum Beispiel von einem Einzelunternehmen zu einer GmbH), ist sowohl eine Gewerbeabmeldung als auch eine Gewerbeummeldung erforderlich. Übrigens: Abmeldungen sind meist gebührenfrei.

Wann brauche ich eine zusätzliche Erlaubnis?

Eine offizielle Erlaubnis ist für ein Gewerbe grundsätzlich nicht erforderlich. Oft gibt es jedoch übergeordnete öffentliche Interessen, sodass es nötig ist, gewerbliche Tätigkeiten zu kontrollieren. Dazu zählt zum Beispiel die Sicherheit aller Bürger. Deshalb ist in bestimmten Fällen ein Antrag auf Erlaubnis für die Ausübung eines Gewerbes obligatorisch.

Was sind erlaubnispflichtige Gewerbe? Die Antwort steht in der Gewerbeordnung – § 29 Abs. 1 Nr. 1 GewO verweist auf Paragrafen, die erlaubnispflichtige Gewerbe aufzählen. Zu solchen erlaubnispflichtigen gewerblichen Tätigkeiten zählen zum Beispiel Dienstleistungen als Versicherungsvermittler, im Reisegewerbe oder im Bewachungsgewerbe.

Die Erlaubnis wird auf deinen Antrag hin von der Verwaltung gewährt. Je nach Tätigkeit gibt es für Gewerbetreibende unterschiedliche Voraussetzungen für die Erteilung einer Erlaubnis. Informationen über erforderliche Unterlagen gibt dir die Auskunft beim zuständigen Amt.

Fazit: Keine Angst vor Behörden!

Die Anmeldung deines Betriebes beim Gewerbeamt ist in der Regel einfach. Bist du gut informiert, geht diese Formalität schnell über die Bühne und du kannst sofort mit deinem Gewerbe durchstarten.

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