Was muss ich über das Thema Einzelunternehmen wissen?

Einzelunternehmen sind vor allem bei Start-ups beliebt. Doch ein Einzelunternehmer muss nicht unbedingt ein kleines Unternehmen sein. Viele Kaufleute treten ihr gesamtes Geschäftsleben über als Einzelunternehmer auf. Die Rechtsform hat einige markante Eigenschaften, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringen. Wenn du Interesse daran hast, ein Unternehmen zu gründen und dich die Rechtsform des Einzelunternehmens anspricht, erfährst du in diesem Artikel, was du über das Thema wissen musst.

Was genau ist ein Einzelunternehmen?

Als Einzelunternehmen bezeichnet man alle Unternehmen, die ausschließlich von einer Person geführt werden. Darüber hinaus befindet sich auch das komplette Inventar im Besitz des Einzelunternehmers. Es gibt somit keine stillen Teilhaber oder Mitinhaber. Auch das Geschäftsrisiko liegt komplett beim Einzelunternehmer. Es handelt sich jedoch nicht um eine Rechtsform. Ein Einzelunternehmer kann in verschiedenen Rechtsformen auftreten. Er kann zum Beispiel ein eingetragener Kaufmann, Freiberufler oder ein Kleingewerbetreibender sein.

Woran erkennt man Einzelunternehmen?

Nicht alle Einzelunternehmen kannst du sofort erkennen. Es gibt jedoch deutliche Hinweise darauf, dass du es mit einem Einzelunternehmen zu tun hast. Ein sicheres Anzeichen ist jedoch, wenn du den Hinweis e. K., e. Kfm oder e. Kfr hinter der Firmenbezeichnung findest. Dies zeigt an, dass es sich um einen eingetragenen Kaufmann handelt. Im Handelsregister werden Einzelunternehmen, die gewerblich tätig sind, als Kaufleute registriert. Darüber hinaus erkennst du einen Einzelunternehmer anhand einer fehlenden Rechtsform hinter dem Namen. Andere Gesellschaften, zum Beispiel eine GbR, können auch unter den Namen der Inhaber auftreten, führen jedoch zwingend den Zusatz GbR. Eine Ausnahme stellt die Einpersonengesellschaft dar. Sie gehört zwar zur Klasse der Kapitalgesellschaften, ist jedoch auf einen einzelnen Unternehmer beschränkt.

Welche Vor- und Nachteile haben Einzelunternehmer?

Einzelunternehmen haben ganz spezielle Eigenschaften, die sich für dich als Gründer sowohl positiv als auch negativ bemerkbar machen können. Zum Beispiel benötigst du bei der Gründung, im Gegensatz etwa zu einer GmbH, kein Gründungskapital, das du in das Unternehmen einbringst. Andererseits stehst du als Einzelunternehmer mit deinem gesamten Hab und Gut in der Haftung. Das heißt: Sollte dein Unternehmen scheitern, gibt es bei der Eintreibung von Forderungen keine Abgrenzung zwischen privatem und geschäftlichem Kapital. Die Haftung für Einzelunternehmer sieht vor, dass du uneingeschränkt mit deinem kompletten Vermögen haftest. Ebenfalls solltest du bedenken, dass du etwaige Investitionen komplett aus deinem Privatvermögen aufbringen musst. Auch Kredite musst du in deinem eigenen Namen aufnehmen und die Haftung liegt ebenfalls komplett bei dir. Dies sollte vor der Gründung unbedingt bedacht werden.

Eine Ausnahme bilden hier wieder die Einpersonengesellschaften. Diese Ein-Mann-GmbH erfordert bei der Gründung eine Einlage, die bei mindestens 25.000 Euro liegt. Die Haftung ist dann wiederum auf das Geschäftsvermögen beschränkt, sodass du nicht mit deinem Privatvermögen haftest. Besonders langfristig führt dies zu großen Unterschieden bezüglich der Dinge, die du bei der Gründung deines Unternehmens bedenken solltest.

Als Einzelunternehmen hast du auch nicht die Möglichkeit, Geschäftspartner aufzunehmen – weder in der Phase der Gründung, noch zu einem späteren Zeitpunkt. Ein Einzelunternehmen darf immer nur eine verantwortliche Person haben. Der positive Aspekt hierbei ist, dass du keinen Gesellschaftsvertrag und keine Satzung benötigst. Selbst kleinere Gesellschaften benötigen diese, was zu notariellen Mehrkosten und höherem Aufwand führt. Ebenfalls triffst du alle Entscheidungen alleine – du musst dich nicht mit Teilhabern oder Geschäftspartnern über Entscheidungen und Strategien abstimmen.

Einzelunternehmen genießen in der Öffentlichkeit grundsätzlich einen hohen Stand. Auch Banken haben viel Vertrauen in einen Einzelunternehmer, vor allem, da es keine Einschränkungen bei der Haftung gibt.

Wie läuft die Gründung eines Einzelunternehmens ab?

Wenn du als Einzelunternehmer starten möchtest, gestaltet sich das Gründungsverfahren deutlich einfacher als bei vielen anderen Rechtsformen. Der wichtigste und erste Schritt ist in den meisten Fällen eine Gewerbeanmeldung. Freiberufler müssen auf dem Weg zur Selbstständigkeit nicht einmal diese Formalität erledigen. Sie müssen nur noch den steuerlichen Fragebogen vom Finanzamt ausfüllen. Als Freiberufler musst du dich somit direkt mit dem für dich zuständigen Finanzamt in Verbindung setzen und deine selbstständige Tätigkeit anzeigen. Das Finanzamt entscheidet, ob du als umsatzsteuerpflichtig eingestuft wirst oder ob du dein Einkommen weiterhin über die Einkommensteuererklärung versteuern musst. Den steuerlichen Fragebogen haben alle Einzelunternehmer im Gründungsprozess auszufüllen.

Je nach Gewerbe ist weiterhin eine Anmeldung bei der IHK oder der HWK notwendig. Auch die Eintragung im Handelsregister kann, je nach Art der Selbstständigkeit, verpflichtend sein. Dieses gehört ebenfalls zum eigentlichen Gründungsprozess.

Abhängig von der Branche ist es möglich, dass du für die Ausübung deines Berufes weitere Genehmigungen benötigst. Dies ist aber unabhängig von der Rechtsform. Ein Beispiel hierfür ist die Tätigkeit als Bestatter. Um in dieser Branche tätig zu sein, benötigst du in der Regel eine Genehmigung des Gesundheitsamtes.

Die Gründung einer Ein-Personen-GmbH ist hingegen mit mehr Aufwand verbunden. Hier ist zusätzlich zwingend ein Gesellschaftsvertrag notwendig. Dieser muss notariell beglaubigt werden. Der Gesellschaftsvertrag wird dann vom Notar bei der Handelsregistereintragung vorgelegt.

Der Name meiner Firma – welche Möglichkeiten habe ich?

Grundsätzlich solltest du wissen, dass eine Firma immer der Name eines Unternehmens ist, unter der ein eingetragener Kaufmann sein Geschäft betreibt. Bist du nicht im Handelsregister eingetragen, bist du kein eingetragener Kaufmann und kannst dementsprechend keinen Firmennamen führen. Du darfst aber eine Geschäftsbezeichnung wählen, die deine Tätigkeit repräsentativ umschreibt. Die Geschäftsbezeichnung muss immer zusammen mit deinem Namen genannt werden. Wenn du beispielsweise freiberuflich als Webdesigner tätig bist, dann dürftest du dich „Max Mustermann Webdesign“ nennen. Nicht erlaubt ist es, durch diese Geschäftsbezeichnung etwas vorzugeben, was nicht der Realität entspricht. Auch Ortsbezeichnungen, wie etwa „Max Mustermann Internetservice Berlin“ wäre nicht rechtens, da es eine Größenordnung vorgibt, die nicht zu einem Kleinunternehmer passt. Eine solche Firmierung ist eingetragenen Kaufleuten vorbehalten. Ebenfalls kannst du als Kaufmann einen Firmennamen unabhängig von deinem Namen wählen. Passend zum eben genannten Beispiel wäre es also möglich, unter der Firma „Modernes Webdesign e. K.“ aufzutreten und Dienstleistungen im Bereich des Webdesigns anzubieten. Wenn du einen Firmennamen im Auge hast, solltest du zuerst eine Anfrage bei deiner zuständigen Handelskammer stellen. Wenn dieser Name bereit vergeben oder markenrechtlich geschützt ist, darfst du diesen nicht mehr verwenden.

Welche beruflichen Tätigkeiten kann ich zum Gegenstand meines Einzelunternehmens machen?

Unter anderem im steuerlichen Fragebogen des Finanzamtes taucht die Frage nach dem Gegenstand des Unternehmens auf. Diese Frage zielt auf die exakte Tätigkeit deines Unternehmens ab. Praktisch gibt es keine Begrenzung, welcher Tätigkeit ein Einzelunternehmer nachgehen darf. Das Gesetz besagt, dass alle gewerblich zugelassenen Tätigkeiten ausgeübt werden dürfen. Dies beinhaltet auch freiberufliche sowie land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten. Solange du also einen Gewerbeschein erhalten hast, kannst du deine Tätigkeit als Einzelunternehmer aufnehmen.

Sonderform Ich-AG – was steckt dahinter?

Seit einigen Jahren ist der Terminus Ich-AG bekannt. Mit einer klassischen AG, Aktien und der Börse hat diese Form des Einzelunternehmens jedoch nichts zu tun. Zu Beginn des Jahres 2003 schaffte der Staat Anreize für Arbeitslose, sich selbstständig zu machen. Diese Personen konnten einen Gründungszuschuss beantragen. Mittlerweile wird die Ich-AG nicht mehr bedingungslos von der Arbeitsagentur gefördert. Die Zahlung des Gründungszuschusses ist inzwischen Ermessenssache und bei der Beantragung muss ein Konzept für die Selbstständigkeit vorgelegt werden. Es können somit alle Formen von Einzelunternehmen gegründet werden und Personen, die zum Zeitpunkt der Gründung arbeitslos waren, erhalten einen Zuschuss vom Staat. Der Hintergrund dieser Politik ist, dass Arbeitslose so eher den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Auch werden etwaige Finanzierungslücken gedeckt und besonders in der ersten Zeit der Selbstständigkeit, in der die Einnahmen oftmals gering sind, ist das Auskommen gesichert.

Angestellte und Urlaubsvertretungen – wie läuft das?

Obgleich du als Einzelunternehmer keinen Anteilshaber außer dir haben darfst, gibt es beim Personal keine Beschränkungen. Du kannst sofort nach der Gründung Personal fest anstellen oder Aushilfen beschäftigen. Auch vertretungsberechtigte Personen darfst du in deinem Einzelunternehmen installieren. So hast du die Möglichkeit, einem oder mehreren Mitarbeitern Handlungsvollmachten oder gar Prokura auszustellen. Dann können diese Angestellten in deinem Namen Geschäfte für dein Unternehmen abschließen. Sie bleiben jedoch weiterhin Angestellte, die nicht direkt am Geschäftsergebnis beteiligt sind und Lohn für ihre Tätigkeit erhalten.

Mit welchen Kosten muss ich rechnen, wenn ich mich als Einzelunternehmer selbstständig mache?

Die Existenzgründung als Einzelunternehmer ist mit sehr geringen Kosten verbunden. Die Gewerbeanmeldung kostet in den meisten Fällen weniger als 50 Euro. Solltest du einen Eintrag im Handelsregister vornehmen, kommen nochmals 100 bis 500 Euro an Kosten hinzu. Dies ist vor allem von der Rechtsform abhängig. Die Eintragung einer Einpersonengesellschaft ist beispielsweise teurer als die eines Kaufmanns.

Müssen Einzelunternehmen im Handelsregister eingetragen werden?

Diese Frage kann nicht so leicht beantwortet werden. Für bestimmte Einzelunternehmer ist es Pflicht, sich im Handelsregister eintragen zu lassen, für andere nicht. Unabhängig davon ist jeder Einzelunternehmer, der im Handelsregister aufgenommen ist, automatisch ein eingetragener Kaufmann. Dadurch ergeben sich alle Rechte und Pflichten, die für einen Kaufmann nach dem HGB gelten. Als Inhaber einer Ein-Personen-GmbH musst du dich beispielsweise unter allen Umständen im Handelsregister eintragen lassen.

Wenn du dich als Einzelunternehmer im Handelsregister eintragen lässt, erfolgt die Registrierung immer in der Abteilung A. Das HRA ist für Einzelkaufleute und Personengesellschaften reserviert. Zu den Daten, die hier registriert werden, gehören:

  • Inhaber
  • Firma
  • Rechtsform
  • Ort der Niederlassung
  • Unternehmensgegenstand

Kleingewerbetreibende, die als Einzelunternehmer agieren, müssen sich nicht im Handelsregister eintragen. Zu diesen Kleingewerbetreibenden gehören Selbstständige, deren Umsatz im Gründungsjahr 17.500 Euro und im nächsten Jahr 50.000 Euro nicht übersteigt. Ebenfalls nicht eintragen lassen müssen sich Freiberufler sowie Land- und Forstwirte. Zu den Freiberuflern zählen klassische Berufe wie Rechtsanwälte, Ärzte oder Steuerberater, aber auch moderne Formen der Selbstständigkeit, wie zum Beispiel Webdesigner, Dolmetscher oder ähnliche Berufe, bei denen selbstständige Dienstleistungen im Vordergrund stehen. Diese Gruppen haben aber, ebenso wie die Kleingewerbetreibenden, die Möglichkeit, sich freiwillig eintragen zu lassen. Dies führt dazu, dass alle zu Kaufleuten im Sinne des HGB werden.

Buchhaltung und Steuererklärung als Einzelunternehmer

Wie funktioniert die Buchhaltung?

Welche Art der Buchführung für dich vorgeschrieben ist, hängt von deiner steuerlichen Einstufung ab. Einzelunternehmer, die unter die Kleinunternehmer-Regelung fallen, müssen keine Bilanz und keine Gewinn-und-Verlust-Rechnung erstellen. In diesem Fall reicht eine einfache Buchführung mit einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung aus. Bei Land- und Forstwirten kann auch eine pauschale Gewinnermittlung in Betracht kommen. Für alle eingetragenen Kaufleute hingegen gilt die Bilanzierungspflicht. Gleichzeitig müssen sie eine doppelte Buchführung aufstellen.

Welche Steuererklärungen muss ich als Einzelunternehmen anfertigen?

Nachdem du den steuerlichen Fragebogen des Finanzamtes ausgefüllt hast, wird dir die Behörde mitteilen, welche Steuerarten für dich zutreffen. Grundsätzlich unterliegen alle Einzelunternehmer weiterhin der Einkommensteuer. In welcher Anlage der Einkommensteuer du dein Einkommen angeben musst, kommt auf die Art deiner Tätigkeit an. Die Anlagen L und Forstwirtschaft zum Beispiel sind für Land- und Forstwirte vorgesehen. In der Anlage S hingegen werden alle Einnahmen eingetragen, die aus freiberuflicher Tätigkeit stammen. Die Anlage G schließlich ist für Einkünfte, die du aus deinem Gewerbebetrieb erwirtschaftet hast.

Ob du eine Umsatzsteuererklärung und eventuell zusätzlich monatlich oder vierteljährlich eine Umsatzsteuervoranmeldung einreichen musst, hängt von der Art deines Gewerbes sowie deinen Umsätzen ab. Wenn du unter die Kleinunternehmer-Regelung fällst oder einen Beruf ausübst, der nach § 4 EStG von der Umsatzsteuer befreit ist, musst du keine Umsatzsteuererklärung abgeben. Befreit sind unter anderem medizinische Berufe, zum Beispiel alle Arten von Ärzten sowie Krankengymnasten und Heilpraktiker.

Die Gewerbesteuer betrifft die meisten Einzelunternehmer. Oftmals kommt es nur zu einer geringen oder gar keiner Steuerfestsetzung. Die Abgabe einer jährlichen Gewerbesteuererklärung ist dennoch Pflicht. So beträgt der Freibetrag bei der Gewerbesteuer bei Freelancern 24.500 Euro. Außerdem berechnet sich die Gewerbesteuer nicht nach dem Umsatz, sondern nach dem Gewinn. Darüber hinaus ist die Gewerbesteuer von der Einkommensteuer abzugsfähig, sodass sich in den allermeisten Fällen keine höhere Steuerlast für Einzelunternehmer ergibt.

Wenn du in deinem Betrieb Angestellte beschäftigst, musst du außerdem die Lohnsteuer melden. Hier lohnt es sich, die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnbuchhalters in Anspruch zu nehmen, um alle gesetzlichen Vorgaben korrekt umzusetzen.

Über Holvi

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