Wie versichern sich Freelancer gegen Arbeitslosigkeit?

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen – natürlich auch Freelancer. Das wissen ganz besonders Selbstständige, die als Start-ups ihre Beschäftigungslosigkeit beenden. Und für genau diese Gruppe gibt es das gesetzlich garantierte Recht, eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abzuschließen. Gegen eine monatliche Beitragszahlung erwerben sich junge Unternehmer die Möglichkeit, bei einem Scheitern ihres Projekts Arbeitslosengeld zu erhalten. Welche Voraussetzungen du dafür erfüllen musst, liest du hier.

Wer darf sich freiwillig versichern?

Arbeitnehmer, die in die Sozialversicherung einzahlen, sind mit der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung davor geschützt, bei Verlust ihrer Arbeit ohne Geld dazustehen. Für die meisten Arbeitnehmer besteht eine Versicherungspflicht für die Kranken-, Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung.

Die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ist bei Freelancern eher die Ausnahme. Wer vor Beginn seines Start-up-Projekts arbeitslos war, hat aber unter bestimmten Bedingungen das Recht auf den Abschluss einer Versicherung gegen Erwerbslosigkeit. Die Voraussetzungen für die freiwillige Weiterversicherung bei einer Existenzgründung finden sich in § 28a Abs. 2 SGB-III:

  • Innerhalb der letzten zwei Jahre vor der freiwilligen Arbeitslosenversicherung muss der Existenzgründer mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.
  • Unmittelbar vor Beginn der freiwilligen Arbeitslosenversicherung muss der Antragsteller eine Entgeltersatzleistung im Sinne von § 3 Abs. 4 SGB-III bezogen haben (zum Beispiel ALG-I oder ALG-II).

Wie stelle ich den Antrag auf Arbeitslosenversicherung?

Wenn du eine freiwillige Versicherung abschließen willst, wendest du dich am besten an den für dich zuständigen Mitarbeiter in der Arbeitsagentur. Hier kannst du den Antrag abgeben. Du musst zusätzlich nachweisen (zum Beispiel durch eine Gewerbeanmeldung), dass du mit deiner selbstständigen Tätigkeit bereits begonnen hast oder beginnen willst.

Wichtig: Der Antrag muss spätestens drei Monate nach der Gründung bei der Arbeitsagentur vorliegen.

Wie hoch ist der monatliche Beitrag?

Für die freiwillige Absicherung müssen Selbstständige jeden Monat einen Beitrag leisten. Dieser liegt ab 2019 bei 2,5 Prozent des Durchschnittseinkommens in der gesetzlichen Rentenversicherung (West: 3.115 Euro, Ost: 2.870 Euro). Abhängig vom Wohnsitz beträgt der monatliche Beitrag daher:

  • 77,88 Euro für Selbstständige in den alten Bundesländern,
  • 71,75 Euro für Versicherte in den neuen Bundesländern.

In den ersten zwei Jahren der Existenzgründung zahlen Selbstständige nur die Hälfte: 38,94 Euro (West) beziehungsweise 35,88 Euro (Ost). Beachte dabei, dass eine Kündigung der Arbeitslosenversicherung erst nach fünf Jahren Beitragszahlung möglich ist. Wenn du dein Unternehmen nicht vorher aufgibst, musst du also mindestens drei Jahre lang den höheren Beitrag leisten.

Wie lange habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Die Dauer deines Anspruchs auf Unterstützung hängt davon ab, wie lange du schon in die freiwillige Versicherung eingezahlt hast. Das Recht auf Zahlungen bei Erwerbslosigkeit beginnt erst nach einem Jahr.

  • Wenn du mindestens zwölf Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hast, hast du sechs Monate Anspruch auf Unterstützung erworben.
  • Entsprechend gibt es für 24 Monate, in denen du Einzahlungen geleistet hast, zwölf Monate lang Arbeitslosengeld.

Als arbeitslos giltst du bereits dann, wenn dein Geschäft so schlecht läuft, dass die Arbeit dafür weniger als 15 Stunden pro Woche beansprucht. Dieses Faktum musst du gegenüber der Arbeitsagentur glaubhaft erklären und auf Anforderung nachweisen können. Aber nicht nur die reine Arbeitszeit entscheidet über das Unterschreiten der 15-Stunden-Grenze. Die Dienstbereitschaft während Warte- oder Öffnungszeiten zählt ebenfalls dazu.

Übrigens: Auch wenn du während deiner selbstständigen Tätigkeit als Freelancer Arbeitslosengeld-II (Hartz-IV) bezogen hast, kannst du nach Aufgabe der Selbstständigkeit Arbeitslosengeld-I beziehen, wenn die übrigen Voraussetzungen dafür vorliegen.

Wie viel Arbeitslosengeld steht mir zu?

Bei der Berechnung der Höhe der Unterstützung ging der Gesetzgeber von einem fiktiven Arbeitsentgelt aus, das ein Arbeitnehmer mit seiner jeweiligen Ausbildung durchschnittlich verdient. Hier ein Beispiel für die Höhe des monatlichen Anspruchs auf Arbeitslosengeld für einen freiwillig Versicherten in der Steuerklasse-III (ohne Kind, Stand 2018)

  • Ohne Ausbildung: 866,10 Euro
  • Abgeschlossene Berufsausbildung: 1.110,90 Euro
  • Meister/Fachschule: 1.324,20 Euro
  • Hochschul- oder Fachhochschulabschluss: 1.529,40 Euro

Die Arbeitsagentur zahlt also nach Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit jeden Monat einen Betrag, dessen Höhe von der Ausbildung, nicht aber von der ausgeübten Tätigkeit als Selbstständiger abhängig ist. Ein Beispiel: Ein Akademiker erhält also auch dann über 1.500 Euro Arbeitslosengeld, wenn er vor Beginn der Arbeitslosigkeit als Kurierfahrer tätig war und nur weniger als 1.000 Euro Gewinn pro Monat erwirtschaftet hat.

Wichtig: Sobald die Arbeitslosigkeit absehbar ist, bist du verpflichtet, dies der Arbeitsagentur zu melden. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht nicht, wenn du dann eine zumutbare Beschäftigung ablehnst.

Fazit

Die Gefahr, nach einer gescheiterten Gründung wieder arbeitslos zu werden, ist nie ausgeschlossen. Um diese Gefahr abzusichern, können sich Freelancer auf Antrag freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Der Vergleich zwischen der Höhe des Arbeitslosengeldes und dem Beitragssatz zeigt jedoch, dass die freiwillige Arbeitslosenversicherung eigentlich nur für gut ausgebildete Freiberufler sinnvoll ist. Wer sich gegen Erwerbslosigkeit absichern will, sollte also abwägen, ob der monatliche Beitrag, der mindestens fünf Jahre lang zu zahlen ist, in einem angemessenen Verhältnis zum Risiko der Arbeitslosigkeit steht.

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