Kannst du deine Steuererklärung selbst machen?

Wenn du selbstständig oder freiberuflich Einkünfte erzielst, wirst du jährlich eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen müssen. Diese Erklärung kannst du grundsätzlich selbst erstellen, wobei du mit fehlender Erfahrung viele Steuervorteile nicht nutzen wirst. Wichtig ist, alle erzielten Einkünfte sauber anzugeben und nichts dem Finanzamt zu verschweigen. Wenn du hierüber hinaus Tipps für Steuerersparnisse wünschst und Zeit und Mühen einsparen willst, ist die Unterstützung durch eine professionelle Steuerberatung sinnvoll.

Steuererklärung selber machen – wie geht das?

Für Selbstständige ist das Thema Steuererklärung allgegenwärtig, denn meistens müssen Erklärungen für mehrere Steuerarten abgegeben werden. Schon die Einkommensteuererklärung kann sehr umfangreich ausfallen und stellt mit ihren zahlreichen Anlagen viele Steuerpflichtige vor Probleme. Dazu kommen Gewerbesteuer, Umsatzsteuer und eventuell andere Steuerarten, für die du regelmäßig Erklärungen einreichen musst. Dieser Artikel erklärt dir, wie du Steuererklärungen selber machst und auf was du dabei achten musst.

Welche Steuererklärungen muss ich wann abgeben?

Jede Steuerart hat ihre eigenen Fristen. Doch damit nicht genug: Es gibt teilweise auch Unterschiede, die von deiner persönlichen Situation abhängen.

Umsatzsteuer

  • Unternehmer mit einem entsprechenden Umsatz müssen monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, und zwar jeweils zum 10. eines Monats.
  • Wenn du im Vorjahr zwischen 1.000 und 7.500 Euro Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt hast, musst du vierteljährlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Die Stichtage, die du dir merken musst, sind der 10. Januar, 10. April, 10. Juli sowie der 10. Oktober.
  • Bei weniger als 1.000 Euro abgeführter Umsatzsteuer musst du hingegen nur einmal im Jahr eine Steuererklärung abgeben. Für dich ist dann der 31. Juli des Folgejahres der Stichtag zur Abgabe.

Einkommensteuer

Bei der Einkommensteuer ist die Regelung jedoch deutlich einfacher: Für die Einkommensteuererklärung ist der 31. Juli des Folgejahres der letzte Tag, an dem deine Erklärung beim Finanzamt vorliegen muss.

Darüber hinaus kannst du eine Fristverlängerung beantragen. Unter Angaben von Gründen, beispielsweise Krankheit, Urlaub oder fehlende Belege, kannst du einen Antrag stellen, die Erklärung spätestens am 30. September einreichen zu dürfen. Bei schwerwiegenden Gründen kann auch ein Aufschub bis zum 31. Dezember gewährt werden. Dies ist jedoch Ermessenssache des zuständigen Finanzbeamten – einen Rechtsanspruch hierauf hast du nicht.

Wenn du deine Erklärungen mithilfe eines Steuerberater oder Lohnsteuerhilfevereins erstellen lässt, verlängern sich viele Fristen automatisch. In diesen Fällen gilt beispielsweise bei der Einkommensteuer der 31. Dezember des Folgejahres als letzter Abgabetag. Auch bei der jährlichen Umsatzsteuererklärung hast du mehr Zeit, wenn du die Erklärung von einem Steuerberater erstellen lässt. Hier verlängert sich die Frist automatisch um ein Jahr, sodass du beispielsweise die Umsatzsteuererklärung für ein Kalenderjahr spätestens am 31. Juli des übernächsten Jahres einreichen musst.

Wo bekomme ich die notwendigen Formulare her?

Alle Formulare und Anlagen der Einkommensteuererklärung sowie die Formulare für Umsatzsteuererklärungen erhältst du bei den Finanzämtern.

Zum Finanzamtfinder

Mittlerweile musst du die Einkommensteuererklärung als Selbstständige*r verpflichtend online über Elster abgeben.

Was muss ich über die Einkommensteuererklärung wissen?

Über die Einkommensteuererklärungen versteuern neben Angestellten auch Freelancer, Land- und Forstwirte, Kleinunternehmer oder Personen mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung ihre jährlichen Einkünfte. Die Erklärung besteht aus einem Mantelbogen, der von jedem Steuerpflichtigen ausgefüllt werden muss sowie einer unterschiedlichen Anzahl an Anlagen. Für die zahlreichen verschiedenen Einkunftsarten gibt es jeweils separate Anlagen. Aus folgenden Anlagen kann eine Einkommensteuererklärung bestehen:

  • Mantelbogen – für persönliche Pflichtangaben, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen.
  • Anlage Vorsorgeaufwand – hier werden alle Vorsorgeaufwendungen vermerkt.
  • Anlage AUS – hier werden Einkünfte eingetragen, die du im Ausland erwirtschaftet hast.
  • Anlage AV – Altersvorsorgebeiträge, die zur Riester-Rente gehören.
  • Anlage AVEÜR – das Anlageverzeichnis der EÜR.
  • Anlage EÜR – hier tragen Selbstständige ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung ein.
  • Anlage Forstwirtschaft – speziell für Einkünfte aus Holznutzungen.
  • Anlage FW – Steuerbegünstigungen bei der Förderung von Wohneigentum werden hier eingetragen.
  • Anlage G – für Selbstständige, die Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb haben.
  • Anlage 7g Ansparabschreibungen – hier werden Investitionsabzugsbeträge eingetragen.
  • Anlage 34a – für Thesaurierungsbegünstigungen von Unternehmern.
  • Anlage K – wird benötigt, wenn Kinderfreibeträge übertragen werden.
  • Anlage KAP – alle Einkünfte aus Kapitalvermögen werden hier angegeben, zum Beispiel Zinsen oder Dividenden.
  • Anlage Kind – wenn du Kinder hast, hwerden hier die Angaben eingetragen und die abzugsfähigen Kosten geltend gemacht.
  • Anlage L – hier trägst du Einnahmen aus der Land- und Forstwirtschaft ein.
  • Anlage N – diese Anlage ist für Einkünfte, die aus nichtselbstständiger Arbeit stammen.
  • Anlage N-Gre – gehört zur Anlage N und betrifft nur Arbeitnehmer, die Grenzgänger sind.
  • Anlage R – hier kommen Einkünfte aus Renten und ähnliche Bezügen hinein.
  • Anlage S – für Einkünfte aus selbstständiger Arbeit.
  • Anlage St – für Gewerbebetriebe, Land- und Forstwirte, Selbstständige und Personen, die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung erzielen. Muss nur alle drei Jahre ausgefüllt werden.
  • Anlage SO – hier kommen alle sonstigen Einkünfte rein, zum Beispiel aus privaten Verkäufen.
  • Anlage SZE – gehört zur EÜR und ist für den Schuldzinsenabzug vorgesehen.
  • Anlage U – geschiedene Eheleute tragen hier die Aufwendungen aus Unterhaltsleistungen ein.
  • Anlage Unterhalt – für Unterhaltsleistungen an bedürftige Personen.
  • Anlage V – Einnahmen aus der Verpachtung und Vermietung von Wohnungen, Häusern oder Grundstücken werden hier eingetragen.
  • Anlage VL – wenn du vermögenswirksame Leistungen erhältst, gehört diese Anlage zu deiner Einkommensteuererklärung.
  • Anlage Weinbau – nichtbuchführende Winzer geben hier ihre Einkünfte an.
  • Anlage Zinsschranke – für Betriebsausgaben im Zusammenhang mit Zinsaufwendungen.

Anlagen zur Einkommensteuer – welche muss ich ausfüllen?

Wie du siehst, ist die Liste an Anlagen sehr lang. Jedoch musst du nur wenige der Formulare tatsächlich ausfüllen.

  • Wenn eine der Anlagen deine Einkünfte oder Lebenssituation betrifft, bist du automatisch dazu verpflichtet, dieses Formular auszufüllen. Alle anderen Anlagen brauchst du nicht auszufüllen.
  • Gewerbetreibende benötigen die Anlage G
  • Freelancer müssen in der Regel die Anlage S ausfüllen.
  • Falls du Kinder hast, gehört die Anlage Kind auch zu deiner Steuererklärung.

Welche Belege muss ich für die Einkommensteuererklärung aufheben?

Im Laufe eines Jahres sammeln sich viele Belege an, die für die Einkommensteuer von Bedeutung sind. Hierbei kann es sich um Bescheinigungen über Einkünfte handeln, wie zum Beispiel Dividenden oder Zinserträge. Aber auch Quittungen über abzugsfähige Ausgaben, die du geltend machen kannst, gehören dazu – beispielsweise über Spenden oder Arztrechnungen. Solche Belege solltest du am besten an einem Ort sammeln, damit sie bereitliegen, wenn du deine Einkommensteuererklärung machst.

In der Regel ist auf den Belegen vermerkt, dass diese für die Einkommensteuer relevant sind. Besonders genau schaut das Finanzamt hin, wenn du abzugsfähige Ausgaben geltend machen willst. Deshalb musst du in der Regel die Originalbelege zusammen mit der Einkommensteuererklärung einreichen, wenn du willst, dass die Kosten anerkannt werden. Wenn du solche Sonderausgaben und Werbungskosten geltend machst, kannst du mitunter viel Geld sparen.

Wie fülle ich die Formulare für die Einkommensteuererklärung korrekt aus?

Nachdem du festgestellt hast, welche Anlagen du ausfüllen musst, ist es ratsam, Schritt für Schritt vorzugehen. Es bietet sich an, mit den Pflichtangaben auf dem Mantelbogen anzufangen.

Du benötigst

  • deine Steueridentifikationsnummer
  • deine persönlichen Informationen wie Adresse, Religionszugehörigkeit, Familienstand und Bankverbindung
  • sowie gegebenenfalls die Daten deines Ehegatten oder Lebenspartners.

Auf der Rückseite des Mantelbogens trägst du dann die abzugsfähigen Kosten ein, etwa Spenden und Krankheitskosten.

Rechne zunächst die Summen der einzelnen Posten zusammen und trage dann die Gesamtsumme im entsprechenden Feld ein. Denke auch daran, dem Mantelbogen die Originalbelege hinzuzufügen, da die eingetragenen Aufwendungen sonst eventuell nicht anerkannt werden. Auf diese Weise arbeitest du nun die einzelnen Anlagen, die auf dich zutreffen, systematisch ab.

Wissenswertes zur Umsatzsteuererklärung

Kaufleute und Selbstständige mit einem gewissen Umsatz sind darüber hinaus umsatzsteuerpflichtig. Mit der Umsatzsteuer steigen auch die Anforderungen bei der Buchführung. Wenn du Umsatzsteuer ausweist, werden in der Buchführung die entsprechenden Beträge, die du deinen Kunden in Rechnung stellst, auf einem separaten Konto verbucht. Gleiches passiert mit der abzugsfähigen Vorsteuer. Als Vorsteuer wird die Mehrwertsteuer bezeichnet, die zum Beispiel deine Lieferanten dir in Rechnung stellen. Zum Ende des Abrechnungszeitraums, also beispielsweise am Ende des Monats, werden diese beiden Konten addiert und gegenübergestellt. Wenn du mehr abzugsfähige Vorsteuer als Mehrwertsteuer in der Buchführung stehen hast, wird dies entsprechend in der Umsatzsteuererklärung vermerkt. Du erhältst in einem solchen Fall eine Erstattung vom Finanzamt. Hast du hingegen mehr Mehrwertsteuer berechnet, als du abzugsfähige Vorsteuer erhalten hast, musst du den Differenzbetrag an das Finanzamt überweisen.

Welche Belege muss ich für die Umsatzsteuererklärung aufheben?

Zunächst einmal bist du verpflichtet alle Rechnungen, die du deinen Kunden geschrieben hast aufzubewahren. Dies ergibt sich aus der Buchführungspflicht. Für den Anteil der ausgewiesenen Mehrwertsteuer bist du gegenüber dem Staat der Steuerschuldner. Darüber hinaus solltest du alle Quittungen von Lieferanten, auf denen die Mehrwertsteuer korrekt eingetragen ist, der Buchführung hinzufügen. Diesen Steuerteil, den du deinen Lieferanten bezahlt hast, kannst du dir als Unternehmer vom Staat erstatten lassen. In der Praxis wird von der Umsatzsteuer aus dem Verkauf ganz einfach die Vorsteuer aus dem Einkauf abgezogen und somit ergibt sich die Zahllast.

Wie fülle ich meine Umsatzsteuererklärung aus?

Mittlerweile fordert das Finanzamt, dass die Umsatzsteuererklärung elektronisch übermittelt wird. Diese elektronische Steuererklärung benötigt ein elektronisches Zertifikat, das du findest, wenn du nach ELSTER suchst. Sofern du über eine ordentliche Buchführung verfügst, ist die Erklärung in wenigen Minuten ausgefüllt. Im Formular trägst du nur die steuerpflichtigen Umsätze zu den verschiedenen Steuersätzen sowie die abziehbare Vorsteuer ein. Darüber hinaus musst du nur noch den Voranmeldungszeitraum auswählen und einige Angaben zu deinem Unternehmen machen. Wie du siehst, liegt die Herausforderung bei der Umsatzsteuererklärung vor allem in einer korrekten Buchführung.

Mit der richtigen Software deine eigene Steuererklärung meistern

Niemand füllt gerne eigenhändig die Steuererklärung aus. Die Sorge ist groß, falsche Angaben zu machen und sich in der Vielzahl an Spalten und Feldern nicht zurechtzufinden. Für den Einstieg in deine eigenständige Steuererklärung sind deshalb zwei Schritte empfehlenswert: der Blick in Tutorials im Internet oder das Vertrauen auf eine Steuer-Software.

Nützliche Programme sind bereits für wenige Euro erhältlich und führen dich Schritt für Schritt durch die Erstellung deiner Steuererklärung. Für die korrekte Eingabe deiner persönlichen Daten in Mantelbogen und sonstige Anlagen wirst du zu Beginn lediglich angeben müssen, dass du als Freiberufler oder selbstständig tätig bist. Die Software hilft dir, sämtliche Einkünfte, Ausgaben, außergewöhnliche Belastungen und mehr korrekt einzutragen. Beachte, dass für sämtliche angegebenen Einkünfte und Kosten die entsprechenden Belege vorliegen sollten.

Die Abgabe der Steuererklärung wird dir außerdem erleichtert, da du eine direkte Schnittstelle zwischen der Steuer-Software und dem ELSTER-Portal erstellen kannst. Gib in das Programm einfach dein Zertifikat ein und sorge nach Fertigstellung der Steuererklärung mit einem Klick dafür, dass diese offiziell beim Finanzamt eingereicht wird.

Ab wann braucht man einen Steuerberater?

Wenn du den Einstieg in die Selbstständigkeit gefunden hast oder meinst, deine Ausgaben nicht optimal steuerlich geltend zu machen, ist über die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater nachzudenken. Pauschal kann nicht geraten werden, ab wann du die Hilfe eines solchen Profis suchen solltest. Du wirst selbst in deinem Arbeitsalltag am besten merken, ob dir das Abgeben der Steuererklärung leichtfällt oder du Schwierigkeiten mit sämtlichen Belegen, Rechnungen und dem Ausfüllen der Formulare hast.

Da der Steuerberater einen wertvollen Beitrag zur Optimierung deiner Steuerlast leistet, denken die meisten Freelancer und Unternehmer früh darüber nach, die Steuererklärung machen zu lassen. Falls du in den ersten Jahren jedoch wenige Ausgaben hast und deine Rechnungsstellung alleine meisterst, wirst du zunächst noch mit oder ohne Software deine Steuererklärung selbst ausfüllen und abgeben können.

Was sind die wichtigsten Vorteile einer professionellen Steuerberatung?

Größter Vorteil durch eine professionelle Steuerberatung liegt in der Aussicht, dem Finanzamt kein Geld zu schenken. Der Steuerberater nimmt sich als Profi Zeit, deine Steuererklärung zu verfassen und alle steuerlich relevanten Einkünfte und Ausgaben korrekt einzutragen. Hierdurch erhältst du einen Steuerbescheid, bei dem deine Belastung auf ein Minimum reduziert wird und du von deinem hart verdienten Geld am meisten profitierst.

Natürlich gibt dir ein Steuerberater auch die Rechtssicherheit, dass du alle Fristen und Formalitäten bei der Steuererklärung einhältst. Du musst also nicht fürchten, beim Steuerbescheid auf kritische Nachfragen reagieren zu müssen. Der Berater übernimmt die gesamte Korrespondenz und setzt sich für dich mit dem Finanzamt auseinander. Dies wird von vielen Freelancern und Unternehmern als wertvolle Entlastung empfunden, damit du dich vollständig auf dein Tagesgeschäft konzentrieren kannst.

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GmbHs und UGs (auch in Gründung).

Alle hier genannten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir weisen jedoch daraufhin, dass wir keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der gemachten Angaben übernehmen können. Insbesondere ersetzt dieser Inhalt keine rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall. Für eine Beratung in rechtlichen oder steuerlichen Angelegenheiten wende dich bitte an einen Anwalt oder Steuerberater deines Vertrauens.