Frist für die Steuererklärung: Bis wann musst du sie abgeben?

Um die jährliche Steuererklärung wirst du als Freiberufler oder Selbstständiger nicht herumkommen. Hierbei sind klare Fristen vorgegeben, wann du sie spätestens beim Finanzamt einreichen musst. Den Zeitrahmen solltest du immer beachten, um keinen Verspätungszuschlag zu zahlen und eine Steuerschätzung zu deinen Ungunsten zu umgehen. Die Zusammenarbeit mit einem Steuerberater hilft dir dabei, deine Steuererklärung zu optimieren und dabei das Beste für dich herauszuholen.

Unterschiede zwischen verpflichtender und freiwilliger Abgabe

Für die fristgerechte Einreichung spielt eine wesentliche Rolle, ob du deine Steuer freiwillig oder gesetzlich verpflichtend erklären musst. Die meisten Angestellten geben eine freiwillige Steuererklärung ab. Ausnahmen bestätigen dabei jedoch die Regel, beispielsweise wenn ein Angestellter über mehrere Arbeitgeber verfügt. Als Selbstständiger oder Freiberufler wirst du die Abgabe jedoch nicht umgehen können, denn als solcher bist du zur Steuererklärung verpflichtet. Nur auf diese Weise kann das Finanzamt erkennen, welche Einkünfte du im Laufe eines Jahres generiert hast. Ob deine Umsätze oder dein Gewinn dabei steuerpflichtig sind oder nicht, wird nach Prüfung vom Finanzamt festgelegt. Du bist aber grundsätzlich nicht von der Abgabe der Steuererklärung befreit. Selbst ohne Einnahmen kommt es zur sogenannten Nullmeldung.

Welche Frist gilt für die Abgabe deiner Einkommensteuererklärung?

Der traditionelle Zeitrahmen für die Steuererklärung war bis zum Steuerjahr 2017 der 31. Mai des nachfolgenden Jahres. Für deine Einkommensteuererklärung für das Jahr 2017 musstest du diese beispielsweise bis zum 31. Mai 2018 eingereicht haben. Von dieser Regelung weicht der Gesetzgeber mittlerweile ab. Mit dem Steuerjahr 2018 treten neue Fristen in Kraft.

Für das Steuerjahr 2018 und die nachfolgenden Jahre hast du zwei Monate mehr Zeit, deine Steuererklärung abzugeben. Erstmals profitierst du bundesweit von einer verlängerten Frist, sodass die Steuer erst Ende Juli des Folgejahres erklärt werden muss. Die ausgedehnte Frist gilt für dich jedoch nur, wenn du zum Abgeben der Steuererklärung verpflichtet bist und diese ohne fremde Hilfe erstellst. Beim elektronischen Einreichen über ELSTER galt diese Möglichkeit, die Erklärung erst Ende Juli abzugeben, schon vorab – jedoch nur in einzelnen Bundesländern.

Welche Bedeutung hat die Neuregelung genau?

Arbeitnehmer und Selbstständige profitieren gleichermaßen von der Neuregelung. Mit dieser möchte der Gesetzgeber dir die Möglichkeit geben, mehr Zeit für die Erstellung deiner Steuererklärung zu haben. Dies ist vor allem für Selbstständige und Freiberufler hilfreich, die zum neuen Jahr hin alle relevanten Rechnungen und Belege von Kunden, Versicherungen und weiteren Partnern einholen müssen. Da waren die bisher geltenden fünf Monate schnell vorbei. Durch die zwei zusätzlichen Monate gerätst du weniger unter Zeitdruck und musst keinen Verspätungszuschlag zahlen. Auch eine eventuell überzogene Steuerschätzung vonseiten des Finanzamtes wird so vermieden.

Bei einer selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit ist die Erstellung der Einkommensteuererklärung oft eine lästige Pflicht. Neben dem operativen Tagesgeschäft und Kundenterminen bleibt selten Zeit, sich in Ruhe mit der Steuer auseinanderzusetzen. Die neue Frist kommt vielbeschäftigten Freiberuflern daher zugute. Wenn immer noch keine Zeit bleibt und du ohnehin lieber einen Profi an Bord holen möchtest, solltest du dich direkt an einen Steuerberater wenden.

Wie beeinflusst die neue Abgabefrist die Arbeit von Steuerberatern?

Wenn du die Dienste eines Steuerberaters in Anspruch nehmen möchtest, profitierst du ebenfalls von einer Fristverlängerung. Bislang galt die Abgabepflicht zum Ende des nächsten Kalenderjahres, wenn du deine Steuererklärung über einen Steuerberater anfertigen und abgeben lässt. Auch dieser profitiert zukünftig von einer Fristverlängerung von zwei Monaten. Der Steuerberater muss deine Erklärung somit erst Ende Februar des übernächsten Jahres an das Finanzamt übermitteln.

Dass Berater überhaupt von einer längeren Frist für die Abgabe von Erklärungen ihrer Mandanten profitieren, liegt am Arbeitsumfeld. Ohne eine verlängerte Frist würden alle Steuerberater die Erklärungen ihrer Mandanten bis zum Juli (früher: Mai) einreichen müssen. In der zweiten Jahreshälfte hätten sie hierdurch deutlich weniger zu bearbeiten, während die erste Jahreshälfte ein sehr hohes Arbeitsaufkommen bedeuten würde. Durch die Sonderregelung können Berater eine ausgedehnte Frist wahrnehmen und den Arbeitsaufwand auf das gesamte Kalenderjahr verteilen.

Was ist bei der freiwilligen Einkommensteuererklärung zu beachten?

Für die freiwillige Abgabe deiner Steuererklärung hast du insgesamt vier Jahre Zeit. Dies gilt vorrangig dann, wenn du noch nicht selbstständig tätig warst und Gehalt von einem Arbeitgeber bezogen hast. Da dieser direkt die Lohnsteuer abführt, muss ein Arbeitnehmer nur in besonderen Fällen eine Einkommensteuererklärung einreichen. Dies kann er freiwillig tun, beispielsweise um Abzüge durch Aufwendungen für seine Vorsorge oder die Kilometerpauschale für seine Fahrtstrecken geltend zu machen.

Überlege selbst oder mit der Hilfe eines Steuerberaters, ob sich die freiwillige Abgabe im Nachhinein lohnt. In vielen Fällen bekommen Arbeitnehmer Geld zurück, mit dem sie nicht gerechnet haben. Verpflichtet bist du zur Abgabe deiner Steuererklärung weiterhin, wenn du sowohl selbstständige Einnahmen erzielst, als auch zusätzlich das Gehalt von einem Arbeitgeber erhältst.

Sonderfall: Das Finanzamt legt eine individuelle Abgabefrist fest

Von den oben genannten Pflichten kann es Abweichungen geben, auf die dich dein Finanzamt individuell hinweist. Möglicherweise wird dieses noch nach Ablauf der regulären Frist Fragen zu bestimmten Einnahmen oder Steuerjahren haben. Auch wenn es zu einer verspäteten Abgabe deiner Steuererklärung kommt, wird das Amt auf dich zukommen und dir eine individuelle Abgabefrist stellen. Mit dieser Frist bist du verpflichtet, die geforderten Unterlagen einzureichen oder deine Steuer manuell oder elektronisch zu erklären. Aus dem Anschreiben deines Finanzamtes entnimmst du eindeutig, welche Konsequenzen bei einem Verstreichen der individuell festgelegten Frist drohen.

Wann musst du deine Umsatzsteuererklärung abgeben?

Für eine selbstständige berufliche Tätigkeit bist du fast immer verpflichtet, eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung einzureichen. Lediglich als Kleinunternehmer mit Einnahmen von weniger als 22.000 Euro jährlich musst du keine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer beantragen. In diesem Fall kannst du in deinen Rechnungen Bezug auf § 19 Absatz 1 UStG nehmen und durch die hier festgeschriebene Kleinunternehmer-Regelung auf die Ausweisung von Umsatzsteuer verzichten.

In anderen Fällen musst du deine Umsatzsteuererklärung regulär abgeben, was du innerhalb der gleichen Fristen wie bei der Einkommensteuererklärung machst. Wichtig ist es zu wissen, dass die Voranmeldungen der Umsatzsteuer hiervon nicht berührt werden. Du wirst deshalb abhängig von der Höhe deiner umsatzsteuerpflichtigen Einkünfte quartalsweise oder monatlich deine Umsatzsteuer-Voranmeldungen elektronisch übermitteln müssen, was wie bei der Steuererklärung bequem über Formulare bei ELSTER geht.

Gibt es die Möglichkeit, die Abgabefrist zu verlängern?

Selbst mit der verlängerten Frist des Gesetzgebers wirst du vielleicht mehr Zeit benötigen, um deine Steuererklärung zu machen und einzureichen. In diesem Fall kannst du eine Fristverlängerung per Post beim Finanzamt beantragen. Steuerpflichtige haben dazu die Möglichkeit, unabhängig von einer angestellten oder selbstständigen Tätigkeit. Je früher du den Wunsch nach der Fristverlängerung äußerst und je triftiger die Gründe hierfür sind, umso eher wird dir dein Finanzamt einige Wochen oder Monate Aufschub gewähren.

Achtung: Ob dir eine Fristverlängerung gewährt wird oder nicht, entscheidet das Finanzamt je nach Einzelfall. Ein Anrecht hierauf besteht nicht. Gerade wenn du dich erst ein oder zwei Tage vor der offiziellen Frist beim Finanzamt meldest, wird dieses selten mit sich reden lassen. Suche deshalb rechtzeitig Kontakt, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass du das Erstellen deiner Umsatz- oder Einkommensteuererklärungen nicht beherrschst.

Was passiert bei einem Verstoß gegen die gesetzlichen Abgabefristen?

Wenn die Frist zur Abgabe abgelaufen ist und du deine Erklärungen nicht eingereicht hast, liegt es im Ermessensspielraum des Finanzamtes, welche Konsequenzen dir nun drohen. Grundsätzlich werden zwei Schritte eingeleitet: Das Amt wird schriftlich auf dich zukommen und dir eine neue, endgültige Abgabefrist stellen. Diese verlängert die ursprüngliche Abgabefrist meistens um vier Wochen. Mit einem Verspätungszuschlag wirst du ab diesem Zeitpunkt bereits rechnen müssen.

Falls du den neuen Aufforderungen nicht nachkommst, wird das Finanzamt eine Steuerschätzung vornehmen und diese als Steuerbescheid an dich übermitteln. Hierbei geht das Amt grob von den Einnahmen der letzten Jahre aus, allerdings rechnet es zu deinen Ungunsten und wird eine Fülle von Abzügen auf deine Einkünfte nicht vornehmen. Du zahlst also im Regelfall mehr Geld, wenn du deine Steuer nicht rechtzeitig erklärst. Zusätzlich kommt verpflichtend der Verspätungszuschlag obendrauf, selbst wenn du im betreffenden Jahr aufgrund deiner Einkünfte keine Steuern zahlen musst.

Achtung: Auch bei den Bußgeldern gelten Neuregelungen

Im Rahmen der gesetzlichen Regelung mit der verlängerten Abgabefrist der Einkommen- und Umsatzsteuererklärung hat der Gesetzgeber auch die Strafen angepasst, die nach Ablauf der Einreichungsfrist drohen. Ab sofort ist vorgesehen, dass dein Finanzamt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuern als Zuschlag für die verspätete Abgabe anrechnen darf. Mindestens darf das Amt jedoch 25 Euro einfordern, falls die Prozent-Regelung unter diesem Betrag liegt.

Der Wert stellt lediglich eine Untergrenze dar. Wenn du bereits durch Fristverlängerung auf Ende September gegangen bist und die Abgabe nicht geschafft hast, kann das Amt bis zu zehn Prozent bei einem Maximum von 25.000 Euro als Zuschlag ansetzen. Dies gilt auch bei fahrlässigem Vergessen der Steuerabgabe und ähnlichen Verstößen.

Natürlich können triftige Gründe für eine verspätete Abgabe verantwortlich sein. Vielleicht hast du eine schwere Krankheit oder einen Unfall gehabt und warst daher nicht in der Lage, die Erklärung beim Finanzamt einzureichen. Diese Umstände solltest du persönlich, telefonisch oder postalisch darlegen und im Zweifelsfall auch Nachweisen können. Hier wird das Finanzamt nicht zu streng handeln und somit eventuell auf den Verspätungszuschlag verzichten.

Mit einem Steuerberater auf der sicheren Seite

Wenn du als Selbstständiger oder Freiberufler erfolgreich bist und dich auf deine berufliche Tätigkeit konzentrieren willst, musst du dich nicht selbst mit dem Thema Steuern befassen. Wenn du ein Steuerberatungsbüro konsultierst, kannst du sicher sein, alles rund um das Thema Steuern in die Hände einer Fachkraft zu geben. Dies gibt dir die Sicherheit, dass du alle Fristen des Gesetzgebers einhältst und keine Strafzahlungen oder eine Steuerschätzung fürchten musst.

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Alle hier genannten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir weisen jedoch daraufhin, dass wir keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der gemachten Angaben übernehmen können. Insbesondere ersetzt dieser Inhalt keine rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall. Für eine Beratung in rechtlichen oder steuerlichen Angelegenheiten wende dich bitte an einen Anwalt oder Steuerberater deines Vertrauens.