Welche Funktionen haben Abschreibungstabellen?

Als Abschreibungen werden Wertminderungen von wertvollen Anlagegütern bezeichnet, die über einen längeren Zeitraum stattfinden. In welcher Form und Länge diese Wertminderungen von Unternehmen vorgenommen werden dürfen, ist klar festgelegt. Doch welche Nutzungsdauer gilt für welche Vermögensgegenstände und welche Form der Abschreibung darf verwendet werden? Hierfür gibt es spezielle Tabellen, die vom Bundesministerium der Finanzen herausgegeben werden. Dieser Artikel erklärt dir die wichtigsten Dinge rund um das Thema Abschreibungstabelle.

Was versteht man unter Abschreibung?

Speziell für Vermögensgegenstände mit hohem Wert hat der Gesetzgeber besondere Vorschriften erlassen. Es geht hierbei immer um Dinge, die dauerhaft im Unternehmen verbleiben, also zum Anlagevermögen gehören. Gegenstände, die weiterverkauft werden oder in die Produktion einfließen, zählen nicht zum Anlagevermögen. Die Anschaffungskosten werden über die gesamte Nutzungsdauer in jährlichen Schritten aktiviert. Als Grundlage wird hier immer der Nettowert angesetzt. Ausnahmen gelten für Unternehmen, die nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Bei diesen ist der Bruttowarenwert die Bemessungsgrundlage. Während die Abschreibung also über einen längeren Zeitraum läuft, darf die Vorsteuer sofort und in voller Höhe geltend gemacht werden.

Aufgrund dieser Handhabung wird dieses Vorgehen auch als Absetzung für Abnutzung bezeichnet. Die Liste an Dingen, die in dieser Form in der Buchhaltung verwaltet werden, ist faktisch unbegrenzt. Sie reicht von Gebäuden aller Art über Maschinen wie Generatoren bis hin zu Computern und Druckern. Grundsätzlich gilt, dass alle Güter, die einen Wert von mehr als 1.000 Euro besitzen, nach den Vorgaben der Abschreibungstabelle behandelt werden müssen. Ausnahmen gibt es für Anschaffungen, deren Wert zwischen 251 und 1.000 Euro liegt. Diese können als Sammelposten mit einer festen Laufzeit abgeschrieben werden. Alle Anschaffungen unter dieser Grenze werden direkt geltend gemacht.

Welchen Zweck erfüllen die Abschreibungstabellen?

Die Abschreibungstabellen, die auch AfA-Tabellen genannt werden, geben Vorgaben für die steuerliche Behandlung von größeren Investitionen. Hier wird vor allem eine Nutzungsdauer vorgegeben, die sich an Erfahrungswerten aus der Praxis orientiert. Die Nutzungsdauer eines Computers wird zum Beispiel mit drei Jahren angegeben, für einen Hochdruckreiniger legt der Gesetzgeber hingegen acht Jahre fest. Diese einheitlichen Regelungen geben dir einen Richtwert und erleichtern dir die Buchführung. Du hast somit die Möglichkeit, auch bei der Erstanschaffung zu erkennen, wie lange das Anlagegut voraussichtlich in deinem Unternehmen verbleibt. Dies ermöglicht eine gleichmäßige und realistische Verteilung der Kosten über die Jahre, was sich auf deine Bilanz auswirkt.

Weiterhin findest du Angaben für die lineare Abschreibung. Diese bezieht sich immer direkt auf die Nutzungsdauer. Im Gegensatz zur degressiven Abschreibung wird hier jährlich exakt der gleiche Anteil vom Anschaffungspreis abgeschrieben. Wenn der typische Nutzungszeitraum etwa mit zehn Jahren angegeben ist, dann beläuft sich die lineare Abschreibung auf zehn Prozent jährlich. Bei einer Nutzungsdauer von fünf Jahren werden dementsprechend 30 Prozent pro Jahr aktiviert.

Welche Abschreibungstabelle gilt für mich?

Tatsächlich existiert nicht nur eine Tabelle, sondern eine Vielzahl. Das Bundesministerium der Finanzen gibt für die unterschiedlichsten Branchen angepasste Varianten heraus. So gibt es Branchentabellen für Brauereien und Mälzereien, für Molkereien und sonstige Milchverwertungen oder für den Stahl- und Eisenbau sowie für zahlreiche andere Branchen. In allen diesen Listen werden nur sehr spezielle Maschinen und Werkzeuge, die branchentypisch sind, aufgeführt.

Für Wirtschaftsgüter, die nicht einer speziellen Branche zugeordnet werden können, gibt es die Tabellen für allgemein verwendbare Anlagegüter. Hier findest du zum Beispiel Computer, Faxgeräte, Kameras oder auch CD-Player sowie Bildschirme und anderes. In den allgemeinen Vorbemerkungen der AfA-Tabelle AV weist der Gesetzgeber darauf hin, dass immer die branchenspezifischen Werte Vorrang gegenüber den Angaben in der AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter haben.

Sind Ausnahmen von den vorgegebenen Werten möglich?

Tatsächlich handelt es sich bei den AfA-Tabellen nicht um bindende Rechtsnormen, sondern um Schätzwerte. Du hast also grundsätzlich die Möglichkeit, eine kürzere oder längere Nutzungsdauer anzusetzen. Dies wirkt sich natürlich auf die jährlichen Abschreibungen aus, die in deine Buchführung und Bilanz einfließen. Verkürzt du die Nutzungsdauer, werden höhere Werte pro Jahr abgesetzt. Bei einer längeren Nutzungsdauer fließen dementsprechend niedrigere Werte ein. Schlussendlich hat das Finanzamt das letzte Wort. Es kann eine gewählte Nutzungsdauer ablehnen, was vor allem dann vorkommt, wenn diese deutlich niedriger, als in der AfA-Tabelle angegeben ist, gewählt wird. In diesem Fall hast du die Möglichkeit, die Entscheidung anzufechten. Es wird jedoch eine Begründung erwartet, warum du von der Rechtsempfehlung abweichen möchtest.

Wo finde ich die AfA-Tabellen?

Die Tabellen werden vom Bundesministerium der Finanzen herausgegeben. Jeweils aktuelle Versionen sind auf der Webseite des Ministeriums abrufbar. Alternativ dazu verfügen auch Steuerberater über diese Informationen. Zu beachten ist, dass die Daten regelmäßig aktualisiert werden. Sobald die Abschreibung für ein neues Wirtschaftsgut berechnet werden soll, lohnt es sich also, einen Blick auf die aktuellen Informationen zu werfen.

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