Kennst du die 3 wichtigsten Steuerarten für Selbstständige?

Das deutsche Steuersystem gehört mit zu den kompliziertesten überhaupt. Steuerpflichtige werden bei uns unterschiedlich belastet – die Höhe der Einkommen beziehungsweise der Umsätze regelt auch die Steuerpflichten. In diesem Artikel erfährst du, welche drei Steuerarten du als Selbstständiger unbedingt kennen musst und was du in deinem Unternehmen diesbezüglich beachten solltest.

Steuern sind Einnahmen des Staates

Ohne Steuern könnte im Grunde genommen kein Staat der Welt existieren. Steuerzahlungen, Abgaben und Gebühren sind die wichtigsten Einnahmequellen der öffentlich-rechtlichen Hand. Sie dienen nicht nur zur Finanzierung der Bediensteten der öffentlichen Verwaltung, sondern werden auch zur Errichtung und Instandhaltung der Infrastruktur benötigt. Straßen und Brücken, Schulen und Kindergärten, Theater und Konzerthallen werden mit Steuergeldern errichtet und betrieben. Zu einem gewissen Teil fließt das Geld auch in unsere Sozialkassen. Der Gedanke, dass Besserverdienende in Deutschland höhere Steuerzahlungen leisten sollen als Bezieher kleinerer Einkommen, gehört zu unserer sozialen Gesellschaftsordnung. „Steuern sparen“ ist so zum Volkssport geworden. Übertreibst du es damit, führt dieses Thema unter Umständen zur Steuerhinterziehung, die strafbar ist. Eine gute Beratung bewahrt dich hier vor Fehlern.

Die 3 wichtigsten Steuerarten

Das Steuersystem in Deutschland ruht auf mehreren Säulen. Dabei wird zwischen direkten und indirekten Steuern unterschieden. Die direkten Steuern werden vom Steuerpflichtigen selbst an das Finanzamt erklärt und abgeführt. Bei indirekten Steuerverpflichtungen wird diese Pflicht auf Dritte abgewälzt. In Deutschland gibt es 37 verschiedene Arten von Steuern, die sich vor allem im Steuerobjekt unterscheiden. Als Unternehmer musst du die wichtigsten Steuerarten kennen:

1. Die Einkommen- und Ertragsteuern

Ein solches Steuerobjekt ist der Vermögenszuwachs (also der Ertrag oder der Gewinn) von Personen oder Unternehmen. Zu den Ertragssteuern zählen

  • die Einkommensteuer (bei Arbeitnehmern auch als Lohnsteuer bekannt)
  • die Körperschaftssteuer von Kapitalgesellschaften
  • die Gewerbesteuer
  • die Kapitalertragsteuer.

Betrachtet werden dabei der Ertrag beziehungsweise der Gewinn einer Periode – meist ist das ein Kalenderjahr.

Als Selbstständiger oder als Unternehmer musst du deine Steuerlast selbst ermitteln und entsprechende Steuererklärungen einreichen. Deine Steuerschulden begleichst du dann beim Finanzamt beziehungsweise bei der Gemeinde. Bei Arbeitnehmern errechnet der Arbeitgeber die Lohnsteuer, meldet dann monatlich selbstständig Steuer an und führt sie an das Finanzamt ab. Verschiedene persönliche Bedingungen wie Werbungskosten, außerordentliche Belastungen oder Vorsorgeaufwendungen können die Steuerlast noch mindern. Angestellte haben daher die Möglichkeit, sich über eine freiwillige Einkommensteuererklärung einen Teil der Lohnsteuer zurückzuholen. Dieses Verfahren ist dir vielleicht als Lohnsteuerjahresausgleich bekannt.

2. Die Mehrwert- oder Umsatzsteuer

Das Mehrwertsteuersystem in Deutschland existiert in der bekannten Form seit 1968. Der Staat erhebt auf alle produzierten Waren oder erbrachten Dienstleistungen eine Umsatzsteuer. Die Steuer, die im Wareneinkauf vorab bereits bezahlt worden ist, die Vorsteuer also, darfst du als Unternehmer oder freiberuflich Tätiger wieder abziehen. So wird sichergestellt, dass nur der geschaffene Mehrwert besteuert wird. Der Regelsatz für die Mehrwertsteuer liegt in Deutschland derzeit bei 19 Prozent, der ermäßigte Steuersatz bei 7 Prozent.

Endkunden zahlen stets den Preis inklusive Steuerbetrag für eine Ware oder Leistung, also den Bruttopreis. Du brauchst jedoch nicht am Ende des Monats alle Kassenzettel hervorkramen und ermitteln, wie hoch die geleistete Mehrwertsteuer war. Das übernehmen die Verkäufer für dich.

Alle Freiberufler, Gewerbetreibende und Unternehmen, die der Umsatzsteuer unterliegen, müssen ihre Umsatzsteuerschuld selbst ermitteln. Diese melden sie dann im Rahmen der Umsatzsteuererklärung an und zahlen den Betrag an die Finanzkasse. Je nach Umsatzhöhe erfolgen diese Voranmeldungen monatlich, quartalsweise oder jährlich.

3. Die Verbrauchsteuern

Tabaksteuern, Strom- und Benzinsteuer oder Alkoholsteuer sind Beispiele für deutsche Verbrauchssteuern. Auch sie werden nicht direkt vom Verbraucher gezahlt, sondern von den Händlern beziehungsweise Herstellern abgeführt. Ihre Höhe ist immer an ihren Verbrauch geknüpft. Auf diese Steuerart wird hier nicht weiter eingegangen, da sie branchenspezifisch ist und nicht alle Steuerzahler betrifft.

Wie werden die Ertragssteuern ermittelt?

Die Bemessungsgrundlage dieser Steuerart

Ob Gewerbetreibender, Freiberufler, Unternehmen oder großer Konzern – die Grundlage der Ertragsteuern bildet immer der erzielte Gewinn innerhalb einer Periode. Dein erlöster Umsatz spielt also keine Rolle. Auch die Höhe von Entnahmen oder Auszahlungen sind völlig unerheblich. Als Unternehmer mit kleinem Umsatz kannst du den Gewinn oder Verlust mithilfe einer einfachen Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Alle anderen Betriebe müssen eine Jahresbilanz aufstellen. Jahresergebnis ist hier der Vermögenszuwachs, der im Laufe des Jahres erzielt worden ist. Für die Berechnungen gelten immer die Netto-Werte, die auf den Rechnungen ausgewiesen werden. Die Umsatzsteuer wird nicht berücksichtigt. Alle Betriebsausgaben dürfen abgezogen werden.

Wer ist steuerpflichtig?

Jede erwachsene natürliche Person mit eigenem Einkommen sowie jedes Unternehmen, das von der Infrastruktur in unserem Land und unserem Staatswesen profitiert, soll sich am Unterhalt des Landes beteiligen. Daher ist hier jeder steuerpflichtig, der seinen Wohn- oder Betriebssitz hat. Auch ausländische Arbeitnehmer sowie internationale Konzerne, die in Deutschland Niederlassungen betreiben, zahlen hier Steuern.

Die Besteuerung von natürlichen Personen

Zählst du zu folgenden Personen, musst du Einkommensteuer abführen:

  • angestellte Lohn- und Gehaltsempfänger
  • Freiberufler
  • Selbstständige
  • Bezieher von Renten, wenn sie außerdem noch einer selbstständigen oder freiberuflichen Tätigkeit nachgehen
  • Beteiligte an einer Personengesellschaft

Während für Lohn- und Gehaltsempfänger der Arbeitgeber die Lohnsteuer anmeldet und auch abführt, muss der Selbstständige das allein erledigen. Natürlich kann er auch seinen Steuerberater beauftragen, doch für die Dokumentation und das Führen der Bücher ist er selbst verantwortlich. Für die Ermittlung der Einkommensteuer gibt es ein eigenes Steuergesetz. In 100 Paragraphen sind alle Sachverhalte zur Versteuerung des Ertrages von Einkommen-Beziehern geregelt. Wenn du dich als Unternehmer steuerlich nicht auskennst, solltest du unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen. Die hier entstehenden Kosten setzt du als Betriebsausgaben einfach wieder von der Steuer ab.

Ausgaben mindern dein Einkommen

Der Begriff „von der Steuer absetzen“ meint in der Regel, dass die betrieblichen Kosten vom Einkommen (oder vom Umsatz von Betrieben) abgezogen werden dürfen. Bei angestellten Steuerpflichtigen gelten alle Ausgaben, die für ihre berufliche Tätigkeit notwendig sind, als Werbungskosten. Sie wirken sich steuermindernd aus. Bist du Unternehmer, reduzieren die Betriebsausgaben für dein Gewerbe die Einnahmen oder den Gewinn. Nur der übrig bleibende Betrag unterliegt dann der Steuer. Zu den typischen Ausgaben von Selbstständigen, aber auch von Unternehmen zählen

  • die Kosten des Wareneinsatzes
  • Löhne für Angestellte
  • Verwaltungskosten wie Bankgebühren, Porto
  • Mieten oder Pachten
  • Zinsen
  • laufende Fahrzeugkosten
  • Abschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens.

Hier sei noch einmal betont, dass die Ausgaben im betrieblichen Zusammenhang entstehen müssen. Private Kosten darfst du nicht geltend machen. Für ein Firmenfahrzeug, das dir auch zur privaten Nutzung zur Verfügung steht, musst du 1 Prozent vom Listenpreis versteuern. Alternativ führst du ein Fahrtenbuch und rechnest die privat gefahrenen Kilometer aus den Kosten heraus.

Die Steuern der Beteiligten an Personengesellschaften

Personengesellschaften sind juristische Personen, ihre Beteiligten werden jedoch steuerlich wie Einzelunternehmer behandelt. Zu ihnen gehören die GmbH & Co. KG, die Gesellschaft bürgerlichen Rechts und auch die Offene Handelsgesellschaft. Ihre Gesellschafter schließen sich zur Verwirklichung gemeinsamer wirtschaftlicher Ziele zusammen. Die Gesellschaft ermittelt durch eine Bilanz ihr Jahresergebnis. Der so entstandene Gewinn oder Verlust wird dann entsprechend der Anteile an der Gesellschaft auf die Beteiligten aufgeteilt. Bist du einer dieser Gesellschafter, wird dein Anteil in deiner persönlichen Einkommensteuererklärung berücksichtigt. Versteuert wird dieser Betrag also mit deinem Einkommensteuersatz. Die Gesellschaft selbst bezahlt keine Körperschaftssteuer.

Die Höhe der Einkommensteuer

Der deutsche Staat verlangt Einkommensteuer nach einer progressiven Staffelung. Das heißt, dass die Höhe der Steuer mit dem Einkommen wächst:

  • Der Eingangssteuersatz in Deutschland beträgt 14 Prozent.
  • Auf einen Grundfreibetrag wird keine Steuern erhoben – dieser Betrag orientiert sich am Existenzminimum in Deutschland und wird regelmäßig angepasst.
  • der Spitzensteuersatz liegt bei 45 Prozent.

Die Steuern von Kapitalgesellschaften

Die bekanntesten Kapitalgesellschaften im deutschen Wirtschaftssystem sind sicherlich die Gesellschaft mit beschränkter Haftung sowie die Aktiengesellschaft. Die Gewinn- und Verlustermittlung erfolgt hier ebenfalls durch die steuerliche Bilanzierung. Alle notwendigen Betriebsausgaben können die Gesellschaften geltend machen. Diese Unternehmen sind juristische Personen, die ihre Erträge im Rahmen einer Körperschaftssteuer erklären und bezahlen. Einheitlich für alle Kapitalgesellschaften beträgt der Steuersatz hier 25 Prozent.

Die kommunalen Gewerbesteuern

Wenn du in Deutschland ein Gewerbe anmeldest, bist du hier steuerpflichtig. Freiberufler werden bei der Gewerbesteuer also nicht zur Kasse gebeten. Berechnungsgrundlage sind die erzielten Erträge bzw. Gewinne eines Jahres. Im deutschen Steuersystem werden Unternehmen je nach Gesellschaftsform unterschiedlich belastet. Da Kapitalgesellschaften mit einem einheitlichen Körperschaftssteuersatz von nur 25 Prozent besteuert werden, erhalten sie bei der Gewerbesteuer einen Freibetrag von 5.000 Euro. Natürliche Personen sowie Beteiligte an Personengesellschaften müssen jedoch im Rahmen der Einkommensteuererklärung jeden verdienten Euro mit ihrem persönlichen Steuersatz versteuern, der in der Spitze bis zu 45 Prozent beträgt. Dafür wird ihnen bei der Gewerbesteuer ein Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro gewährt.

Die Berechnung der Gewerbesteuer

Gewerbesteuern werden von den Städten und Gemeinden erhoben. Das Schema für die Ermittlung der Steuerhöhe ist kompliziert:

ermittelter Gewinn aus dem Gewerbebetrieb

+ Hinzurechnungen für Zinsen

– Kürzungen (1,2 Prozent des Einheitswertes für betriebliche Grundstücke)

= Gewerbeertrag

– 24.500 Euro Freibetrag für Personen + Personengesellschaften

x 3,5 Prozent Steuermesszahl

= Steuermessbetrag

x Hebesatz der Gemeinde

Die Steuermesszahl beträgt einheitlich für alle Steuerpflichtigen 3,5 Prozent. Wie hoch die Gewerbesteuer aber tatsächlich ist, hängt von der Gemeinde ab, in der sich der Firmensitz befindet. Jede Gemeinde- oder Stadtverwaltung darf diesen Hebesatz selbst festlegen. Üblich sind Sätze zwischen 280 und 450 Prozent. Beschäftigst du dich mit einer Existenzgründung, berücksichtige auch die Höhe der Gewerbesteuer.

Die Besteuerung von Kapitalerträgen

Diese staatliche Abgabe ist eine Abgeltungsteuer, die in der Regel vom Auszahlenden der Kapitalerträge einbehalten und an das Finanzamt abgeführt wird. Als solche Erträge gelten Zinseinnahmen oder Einkommen aus Beteiligungen. Die Steuerpflicht beträgt für Kapitaleinkünfte einheitlich 25 Prozent. Eine gesonderte Berechnung gibt es nicht – die Steuer ist mit diesem Einbehalt bereits abgegolten. Allerdings gewährt der Staat für Sparer einen Freibetrag in Höhe von 801 € je Person. Im Fall einer Zahlung von Kapitalertragsteuer, ohne den Freibetrag berücksichtigt zu haben, kannst du eine Erstattung vom Finanzamt verlangen.

Wie bekomme ich eine Steuernummer?

Bei der Gründung einer Gesellschaft und auch bei der Anmeldung eines Gewerbes bist du für die steuerliche Anmeldung deines Unternehmens selbst verantwortlich. Dafür hält dein zuständiges Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung bereit. Zusätzlich musst du bei einer Gesellschaftsgründung den Gesellschaftsvertrag einreichen. Die Steuerbehörde erteilt dann die Steuernummern für die Umsatzsteuer, die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer.

Wie hilft ein Steuerberater?

Alle steuerlichen Belange kannst du selbst mit dem Finanzamt klären. Unterstützung erhältst du auch von den Kammern, bei einer Existenzgründungsberatung oder auch im Internet. Rechtlich verbindliche Hilfe erhältst du jedoch von einem Steuerberater. Achte darauf, dass er über mehrere Jahre Erfahrung verfügt und bereits Betriebe aus deiner Branche berät. Heute haben sich viele Steuerberaterkanzleien spezialisiert und gehen so individuell auf deine Ansprüche ein.

Sie informieren dich, wie du Rechnungen mit richtigem Ausweis der Umsatzsteuer schreibst, geben Tipps zum Thema Buchführung und erstellen notwendige Auswertungen deiner betriebswirtschaftlichen Daten. Außerdem helfen sie dir, deine Steuervorteile zu erkennen und Steuer zu sparen. Die Kanzlei kümmert sich auch um die Prüfung der Bescheide für die Steuererklärungen und legt im Fall von Fehlern Widerspruch ein.

Zusammenfassung: Diese Steuererklärungen müssen Selbstständige kennen

Zusammenfassend hier noch einmal die Aufstellung, welche Steuererklärungen selbstständige Unternehmer und Betriebe einreichen müssen:

  • Einkommensteuererklärung für Steuern auf den Ertrag von Personengesellschaften und Selbstständigen, buchführungspflichtige Betriebe reichen ihre Bilanz ein, Einnahme-Überschuss-Rechner die Anlage EÜR, oder
  • Körperschaftsteuererklärung für Steuern auf den Gewinn von Kapitalgesellschaften
  • Gewerbesteuererklärung vom Ertrag beziehunsweise Gewinn, die von den Gemeinden und Städten erhoben wird
  • Umsatzsteuererklärung
  • Anlage K zur Erstattung der Kapitalertragsteuern auf Zinsen und Beteiligungen, wenn notwendig

Informiere dich genau, welche Termine für die Steueranmeldungen der einzelnen Steuerarten für dich gelten. Organisiere deine Buchhaltung so, dass die Steuerbelastung ohne großen Aufwand ermittelt werden kann. Ein guter Steuerberater, den du durch geeignete Referenzen auch in deiner Nähe findest, hilft dir bei allen steuerlichen Themen.

Über Holvi

Unser Ziel bei Holvi ist es, Selbstständige in ihrem Alltag dabei zu unterstützen, ihre Finanzen im Griff zu haben. Daher bieten wir dir zusätzlich zu unserer Holvipedia ein kostenloses Geschäftskonto. So sparst du nicht nur wertvolle Zeit bei der Buchhaltung, sondern hast auch deine Einnahmen und Ausgaben immer im Blick. Zudem profitierst du von kostenlosen SEPA Überweisungen und bekommst eine kostenlose Business Mastercard. Also lass Holvi dein Leben leichter machen und eröffne jetzt dein Geschäftskonto ohne monatliche Kosten und Mindestlaufzeit. Erfahre hier mehr.

Alle hier genannten Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Wir weisen jedoch daraufhin, dass wir keine Haftung für die Richtigkeit, Aktualität und Vollständigkeit der gemachten Angaben übernehmen können. Insbesondere ersetzt dieser Inhalt keine rechtliche oder steuerliche Beratung im Einzelfall. Für eine Beratung in rechtlichen oder steuerlichen Angelegenheiten wende dich bitte an einen Anwalt oder Steuerberater deines Vertrauens.